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Großes Finale beim Melodienabend mit „Schenkt man sich Rosen in Tirol“. Foto: Ketterl
Charmante Gastgeber: Carsten von Zepelin (links) und Thomas Münstermann. Foto: Ketterl
Elisandra Melián und Julian Culemann begeisterten mit Liedern aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Foto: Ketterl
Als Blues-Rocker von „ZZ Top“ auf der Bühne in Aktion: Verwaltungsleiter Uwe Dürigen und Intendant Thomas Münstermann (rechts). Foto: Ketterl
17.07.2017

Spielzeitabschluss am Theater Pforzheim mit großer Jubiläumsfeier

Verdi reihte sich an Richard Strauss, Mozart an Leonard Bernstein, mittendrin ein bisschen Ringelnatz – und auch Marlene durfte noch mal von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt sein. Der traditionsreiche Melodienabend zum Abschluss der Theaterspielzeit ist stets ein echtes Potpourri aus den Produktionen der Spielzeit – vielleicht auch angesichts des Schmuckjubiläums wurde er in diesem Jahr in „Glanzlichter“ umgetauft. Einen roten Faden, so man denn unbedingt nach einem sucht, gibt es gewöhnlich nicht – eine Schnur, auf der die Perlen aufgefädelt wurden, aber war sichtbar: Der Förderverein Theater hatte mit seinem 50. Geburtstag ebenfalls Grund zum Feiern. Die enge Verbundenheit nutzte man zu einem gemeinsamen Fest, das nicht nur Gegenwärtiges, sondern auch Dia-Rückblicke auf Vergangenes enthielt, was vielen treuen Theaterfans wehmütige Wiedererkennungsseufzer entlockte.

Das Publikum konnte sich entspannt zurücklehnen. Beim Melodienabend wird zusammengefügt, was sich im Verlauf der Spielzeit als Highlight erwiesen hat – musikalische Publikumslieblinge, Appetithappen sozusagen. Atmosphärisch starke Bilder können da nicht entstehen – aber eine „Gala“ vermittelt immer Glanz und Glitzer. Intendant Thomas Münstermann, der sich aus Anlass des Fördervereins-Jubiläums die Moderation mit dessen Vorsitzenden Carsten von Zepelin teilte, wollte allerdings etwas tiefer graben. Er nutzte den Melodienabend – und will das auch in Zukunft so halten – um einige Ensemblemitglieder zu verabschieden und die Neuen zu begrüßen.

Dass nicht alle Wechsler parat stehen, liegt auch an den Spielzeitterminen der verschiedenen Theater, vielleicht hätte die volle Breite aber auch den Abend gesprengt.

Bildergalerie: Theater Pforzheim: Melodienabend und Theaterfest

Ein wahrer Dirigent geht

Dem Publikum ging ein Abschied besonders nahe. Mino Marani, dem auch die musikalische Leitung des Abends oblag, sagt Pforzheim in Richtung Koblenz Adieu. Am Samstag zeigte er am Dirigentenpult, unterstützt von der spielfreudigen Badischen Philharmonie, noch einmal die ganze Bandbreite seines sensiblen, aber durchaus bewegungsfreudigen Dirigats. Generalmusikdirektor Markus Huber eilte aus seinem hinteren Orchesterdomizil nach vorne: „Es gibt Menschen, die dirigieren und es gibt Dirigenten. Er ist ein Dirigent. Ein toller Kollege, wir haben uns sehr gut verstanden.“

Musikalisch kam die erste Hälfte des Abends mit Partien aus „La forza des destino“, „Die Entführung aus dem Serail“, „Figaros Hochzeit“, „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Der Rosenkavalier“ eher getragen und von gedämpfter Heiterkeit daher, was ein Ausschnitt aus der Choreografie „Der Kuss“ und die Rückblicke auf die Gründungszeit des Fördervereins mit der Zusammenführung von der Gesellschaft der Theater- und Konzertfreunde, der Aktion Bühnenbohrer und dem Ballettförderverein unterstrichen.

Erinnerungen ans Osterfeld

Mit einer Diashow wurde auch 50 Jahre vergangener Produktionen und besonders der Zeit im Osterfeld gedacht – reichlich seltsam kam es vielen im Publikum vor, dass dort offensichtlich nur musikalische Produktionen zu sehen waren, Schauspiel und Ballett ausgespart wurden. Die Bildqualität tat ein Übriges, um die an sich hübsche Idee verbesserungswürdig erscheinen zu lassen. Was auch für die Videos gelten mag, mit denen sich vier neue Schauspieler vorstellten.

„Eine prägende und wichtige Theaterzeit in Pforzheim“, nannte Carsten von Zepelin die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Osterfeld und erinnerte an die Zwänge des über 40-jährigen Provisoriums: „Mein Vater, damals ehrenamtlicher Tonmeister, erstellte die Produktionen nicht selten bei uns in der Küche.“ Er erinnerte auch an zwei Wegbereiter für das neue Haus am Waisenhausplatz: Bürgermeister Fritz Wurster und Stadträtin Christine Stavenhagen, die mit dafür sorgten, dass über die Aktion Bühnenbohrer 1,3 Millionen Euro bereitgestellt werden konnten. Von Zepelin, seit 2007 Vorsitzender des Fördervereins, kann heute dem Theater jährlich 20 000 bis 30 000 Euro bereitstellen: „Für Dinge, die im Etat nicht enthalten sind.“ Und: „Der Förderverein will eine starke Stimme und ein Rückhalt für das Theater sein.“ Er mochte nicht ausschließen, „dass man das noch mal brauchen wird“.

Der zweite Teil des Abends gab sich lockererer und war musikalisch dem „Zigeunerbaron“, „L’elisir d’amore“, „Adriana Lecou-vreur“, der „Lustigen Witwe“, dem „Vogelhändler“, „Der blaue Engel/Marlene“ und der „West Side Story“ gewidmet. Schauspielneuling Clemens Ansorg sorgte mit Ringelnatz-Rezitationen für Heiterkeit. Allen Mitwirkenden, Johannes Strauß, Cornelius Burger, Stefaan Morrow, Eleonor Pennacchini, Danielle Rohr, Elisandra Melian, Dennis Marr, Stamatia Gerothanasi, Kwonsoo Jen, Theresa Martini, Julian Culemann, Philipp Haag, Carl Philipp Frommherz und dem Chor des Theaters, galt der herzliche Beifall des Publikums.

Kräftig gefeiert wurde bereits im Vorfeld, aber besonders nach dem „Glanzlicht“- Abend rund um das Theater auf dem Waisenhausplatz, wo die Band „Cover up“ für musikalische Stimmung sorgte.