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Auch als versierte Organistin präsentiert sich die 49-Jährige bei ihrem Vorspiel in der Stadtkirche.  Ketterl/Molnar
Auch als versierte Organistin präsentiert sich die 49-Jährige bei ihrem Vorspiel in der Stadtkirche. Ketterl/Molnar
Mit großer Souveränität dirigiert Heike Hastedt das Bachorchester. Am Flügel Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis.
Mit großer Souveränität dirigiert Heike Hastedt das Bachorchester. Am Flügel Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis.
15.10.2015

Stadtkirche bekommt erstmals eine Kantorin

Schneller hätte die Nachfolge von Christian Stähr nicht geregelt werden können: Heike Hastedt wurde am späten Mittwochabend einstimmig von der 14-köpfigen Besetzungskommission und mit großer Zustimmung der Ensembles zur ersten Kantorin der Stadtkirche Pforzheim gewählt.

Zum 1. Juni 2016 soll die 49-Jährige, die von Pforzheim angefragt worden war und sich daraufhin beworben hatte, das Amt antreten. Bei einer halböffentlichen Veranstaltung am künftigen Arbeitsort stellte sie ihre Fähigkeiten an der Orgel und in der Arbeit mit dem Bachorchester, den Kinder- sowie Erwachsenenchören unter Beweis – und überzeugte auf ganzer Linie.

„Das ist eine richtig gute Entscheidung“, freute sich Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis. Er sei sehr erleichtert – eine bundesweite Ausschreibung sei nun nicht nötig – und freue sich auf eine gute Zusammenarbeit. Heike Hastedt habe sich nicht nur als versierte Kirchenmusikerin, als Kandidatin mit viel Berufserfahrung präsentiert, sondern auch als hochkompetente Kommunikatorin. „Sie hat schnell Kontakt zu den Menschen gefunden“, zeigte sich Michaelis vor allem von der Kinderchorprobe begeistert. Sie habe sofort losgelegt und bald alle Namen gewusst. Diese Fähigkeit sei viel wichtiger, als etwa virtuos auf einem Instrument spielen zu können: „Es geht darum, mit vielen Musikern auf hohem Niveau Musik zu machen“, so der frühere Bezirkskantor, der die Zeit bis zum Stellenantritt mit mehreren Kantoren überbrücken wird.

„Das ist total klasse“

Die Freude bei der künftigen Stadtkirchenkantorin ist ebenso groß, zumal das einstimmige Votum ihr die Zusage erleichtert habe: „Das ist total klasse“, sagte sie gestern gegenüber der PZ. Sie habe auch den Eindruck gehabt, musikalisch und menschlich auf einer Welle mit den Pforzheimern zu sein. In Villingen allerdings, wo Hastedt seit 1997 das evangelische Bezirkskantorat leitet, werde sie eine Lücke hinterlassen. „Hier werden die Leute nicht glücklich sein“, so die Kirchenmusikerin, die ein gutes Verhältnis zu den Sängern hat. Das weiß auch Michaelis: „Ihre Person und Arbeit ist eine echte Institution für die Stadt Villingen.“

Die aus Niedersachsen stammende Bezirkskantorin hat dort die Kinderchorarbeit aufgebaut, leitet neun Ensembles und kann auf eine gute Vernetzung in der Region und Zusammenarbeit mit dem Kulturamt verweisen. „Mich reizt die Veränderung meines jetzigen Arbeitsfeldes“, sagt Hastedt, die persönlich nicht länger den Spagat als Gemeinde- und Bezirkskantorin machen möchte. In Pforzheim wolle sie sich ganz der Kirchenmusik an der Stadtkirche widmen. „Das ist für mich attraktiv“, sagt die 49-Jährige.

Das A-Kantorat gilt als eine der bedeutendsten Stellen in Deutschland. Nachdem Christian Stähr nach eineinhalb Jahren als Kantor zum Juli 2015 zurückgetreten war, wurde das Amt aufgespalten. Einen Teil des umfangreichen Aufgabengebiets übernimmt nun Bezirkskantor Wolfgang Bürck (die PZ berichtete). Hastedt wird voraussichtlich in Pforzheim eine Zweitwohnung nehmen und pendeln – bis ihre Tochter das Abitur in der Tasche hat. Zuerst aber stehe heute die nicht einfache Information der Villinger Ensembles an.