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Manfred Simon von der Landsmannschaft Schlesien und Kunsthistorikerin Christina Klittich mit dem Scherenschnitt „Der Ausmarsch“.   Foto: Seibel
Manfred Simon von der Landsmannschaft Schlesien und Kunsthistorikerin Christina Klittich mit dem Scherenschnitt „Der Ausmarsch“. Foto: Seibel
15.07.2016

Stadtmuseum Pforzheim zeigt bittere Bilder des Krieges von Melchior Grossek

Pforzheim. Der Knochenmann gibt am Planungstisch dem Feldherrn die Züge vor, bestimmt – über den großen Tisch gebeugt –, wer wann und wo ins Feld, in den Tod geführt wird. An Marionettenfäden hängen die winzigen Soldaten, die von ihm in die Schlacht geführt werden, oder sie laufen dem knöchernen Rattenfänger hinterher. Ganz zum Schluss, in der „Kampfpause“, wetzt der Knochenmann die Sense – bereit für neue Taten. In 15 Blättern hat Melchior Grossek (1889–1967) die Schrecken des Krieges festgehalten, noch ganz unter dem Eindruck der gewaltvollen Tode seiner beiden Brüder im Ersten Weltkrieg. Doch am Schluss steht – in deutlich größerem Format – der Friedensengel, die zerbrochene Sense in der Hand. Denn der gebürtige Schlesier war nicht nur Künstler, sondern in erster Linie Priester.

Und so münden die bitteren, schmerzerfüllten Szenen aus dem Zyklus „Gestalten des Todes“ in ein Bild der Hoffnung. Zu sehen sind rund 100 Arbeiten Grosseks von morgen an im Stadtmuseum.

Ganz in der Nähe des Hauses der Landsmannschaften, auf deren Initiative diese Wanderausstellung nach Pforzheim kam. Besonders bemerkens- und sehenswert an dieser Schau ist die Technik, in der der studierte Theologe und Künstler gearbeitet hat: Scherenschnitte – fein ausgearbeitet sowie anhand von Skizzen und Studien exakt vorbereitet – bestimmen einen Großteil der Ausstellung. Gedruckt fanden diese expressiven Darstellungen der Grausamkeit des Krieges aus den 1920er-Jahren weite Verbreitung. Mit farbigen Papieren unterlegt, erhielten die schwarz-weißen Scherenschnitte eine noch größere Intensität und Ausdrucksstärke.

Neben der Detailtreue und Feingliedrigkeit der Scherenschnitte stehen die dichten, ganz im Duktus expressionistischer Kunst stehenden Holz- und Linolschnitte. Da beugt sich in einer Pietà-Darstellung eine gramvolle Muttergottes über den geschundenen Jesus, und der Vater schlingt liebevoll beschützend die Arme um den verlorenen Sohn. Da ist Grossek ganz auf der Höhe der Kunst seiner Zeit. Das zweite Hauptwerk des Monsignore, die Mappe „Das Leben“, zeigt den Künstler von seiner seelsorgerischen Seite. In 33 fein gearbeiteten Scherenschnitten, die ganz dem Jugendstil verhaftet sind, zeichnet er das Leben Jesu nach – voller exotischer Landschaften und stimmungsvoller Interieurs.

Und wer gerne selbst ausprobieren möchte, wie ein Scherenschnitt funktioniert, der hat dazu im Stadtmuseum Gelegenheit: Mittels Scheinwerfer wird der Porträtschatten auf die Wand geworfen, wo er abgezeichnet und aus schwarzem Papier ausgeschnitten werden kann.