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Der Beginn des Tanzabends findet mit Martina De Dominicis und Giulia Cenni (von links) im Baugerüst vor dem Kirchenportal der Schloßkirche statt. Foto: Ketterl
Der Beginn des Tanzabends findet mit Martina De Dominicis und Giulia Cenni (von links) im Baugerüst vor dem Kirchenportal der Schloßkirche statt. Foto: Ketterl
Im Eingangsbereich der Schloßkirche bewegen sich Anastasia Shivrina und Roger Molist-Puigdoménèch (von links) tanzend nach vorn. Foto: Ketterl
Im Eingangsbereich der Schloßkirche bewegen sich Anastasia Shivrina und Roger Molist-Puigdoménèch (von links) tanzend nach vorn. Foto: Ketterl
06.11.2015

Starker Einstand von Ballettchef Guido Markowitz: „Heimatwelten“ in der Schloßkirche

Flüchtlinge und deren verlorene oder gesuchte Heimat: Das Thema brennt auf den Nägeln. Alle haben dazu etwas zu sagen, vor allem Künstler. Und auch das frisch formierte Pforzheimer Ballett. In seinem ersten Ballettabend „Heimatwelten“, mit dem sich Pforzheims neuer Ballettchef Guido Markowitz und das elfköpfige Ensemble in der Schlosskirche vorstellen, geht es um impulsive Äußerungen ringender, leidender Menschen. Zur Begrüßung des Publikums turnen mit Lampen bewaffnete Tanzakrobaten auf dem Fassaden-Gerüst über dem Eingang zur Schloßkirche herum, deren Äußeres gerade instand gesetzt wird.

Im Kirchen-Inneren, das abgesehen von beleuchteten, wechselnd improvisierten Tanzpodien düster und dunkel bleibt, hängen farbige Tücher wie abgelegte Kleidung über den Bänken. Die künstlichen Geräuschkulissen könnten von überladenen Schrott-Barkassen stammen, die sich mit Flüchtlingen durch Meereswogen kämpfen. Die den Tänzen zugrunde gelegte elektronische, an Weltmusik erinnernde Klang-Collage ist von endlosen Text-Rezitationen überlagert.

Vom Lettner hoch oben agieren Sprecher. Das wirkt wie eine Verkündigung. Dann ziehen die Tänzer in die Kirche ein, drei von ihnen bahnen als Vortänzer den Weg, hinter ihnen folgt flüsternd der Rest des Ensembles. Vor dem Altar produziert sich ein Tanzpaar mit allerhand Drehwürmern und verschraubten Figurationen, Hebern und Abwürfen, danach mühen sich vier weitere Paare mit Geschrei in babylonischer Sprachverwirrung. Jemand singt ein zärtliches Lied. Manchmal tragen die Tänzer ihre Partnerinnen wie Rucksäcke auf ihrem Rücken und bilden Kolonnen. Zweikämpfe brechen aus, manche Akteure verlieren sich in wild zuckendem Bewegungsrausch, der von zeitlupenhaft zerdehnten Gesten abgelöst wird. Irgendetwas gerät aus den Fugen: Kriegslärm mit Getöse und Donner, offenbar von Brettern, die auf Steinböden knallen oder von grellbunten kleinen, aufeinander geschlagenen Requisiten-Tischchen erzeugt. Der Tanzfluss verdichtet sich zu geballten Spannungen in der Wucht erdgebundener, elementarer Körper-Schwünge. Angstzustände führen Gruppen eng zusammen.

Rote Kerzen

Zum Abschluss führen die Tänzer ihr Publikum durch die Lettner-Glastüren in den Stiftschor der Pforzheimer Schloßkirche zu den Ruhestätten der badischen Markgrafen und Großherzöge. Zu Füßen ihrer Stein-Denkmäler haben die Protagonisten, die sich an der Chor-Rückwand versammeln, brennende rote Kerzen aufgestellt, die auf die Bodenfläche symbolische Muster zeichnen. Hier mündet der einstündige Abend in ein tanztheatralisches Mysterium ein, das die zahlreich gekommenen Besucher nachhaltig beeindruckt.

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