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Ex-Beatle Paul McCartney (links) bei inem Überraschungskonzert Ende Juli im Cavern Club in Liverpool. 200 glückliche Fans durften einer spektakulären Show beiwohnen. Fotos: Capitol/Universal
Ex-Beatle Paul McCartney (links) bei inem Überraschungskonzert Ende Juli im Cavern Club in Liverpool. 200 glückliche Fans durften einer spektakulären Show beiwohnen. Fotos: Capitol/Universal
Das Cover des Albums „Egypt Station“ von Paul McCartney – sein 18. Studioalbum. Fotos: Capitol/Universal
Das Cover des Albums „Egypt Station“ von Paul McCartney – sein 18. Studioalbum. Fotos: Capitol/Universal
14.09.2018

Starkes Spätwerk „Egypt Station“: Neues Album von Paul McCartney erschienen

Berlin. Es ist diese so typische, vertraute Mischung aus Gefühligkeit, guter Laune und Experimentierfreude, die auch das neue Album von Paul McCartney prägt. Zwangsläufig klingt es fast schon etwas zu routiniert, wenn der größte Melodienerfinder der Pop-Historie seinem riesigen Repertoire mal eben 16 weitere Melodien hinzufügt.

Doch das ist auch bereits das Schlechteste, was man über „Egypt Station“, McCartneys Solo-Studioalbum Nummer 18 nach den Beatles, sagen kann.

Los geht’s, der Albumtitel lässt es erahnen, in einem Bahnhof. Dort setzt sich, begleitet von leicht kitschigem Chorgesang, ein Zug in Bewegung, der im Verlauf von 14 Songs und zwei kurzen Instrumentals viele Stationen von McCartneys persönlicher Geschichte als Komponist ansteuert.

Komplexe Lieder im Stil von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ sind darunter, aufgekratzte Rocker und melancholische Balladen wie einst bei der Beatles-Nachfolgeband Wings, purer Pop (auch sehr Leichtgewichtiges wie „Fuh You“), sogar Ungewohntes wie ein Funk- und ein Samba-Stück. „Egypt Station“ dürfte damit eines von McCartneys abwechslungsreichsten Studioalben sein. Vor allem aber ist dies eine durchdachte, ambitionierte Songsammlung – also kein Umschlagplatz für einzelne Radiohits neben viel Füllmaterial. McCartney weiß, dass er damit rührend altmodisch rüberkommt: Die Alben heutiger Megastars wie Beyoncé oder Taylor Swift hätten zwar starke Singles, aber ihnen fehle der Flow, sagte der 76-Jährige bei einer Fragestunde im eigenen „Liverpool Institute for Performing Arts“.

Nichts für Rosinenpicker

Und dann fügte Sir Paul verschmitzt lächelnd hinzu: „Ich habe mir gesagt, dass ich mit diesem Taylor-Swift-Ding nicht konkurrieren kann – dafür habe ich auch gar nicht die Beine. Was ich vielleicht machen kann, ist das, was man früher ein Konzeptalbum nannte. Eine Platte, die man in einem Rutsch hört.“ „Egypt Station“ ist also nichts für Menschen mit niedriger Aufmerksamkeitsspanne oder für Rosinenpicker.

Als ob der 18-fache Grammy-Gewinner und Pop-Milliardär im fortgeschrittenen Rentenalter noch etwas zu beweisen hätte, arbeitete McCartney offenkundig mit der Kraft und Kreativität eines Jungspunds an der neuen Platte. Sein Produzent Greg Kurstin (Adele, Pink, Foo Fighters) kam aus dem Staunen kaum heraus: „Ich habe keine Ahnung, wo er die Energie hernimmt“, sagte er. Nicht nur klingen McCartneys Songs auf „Egypt Station“ im Vergleich zum gediegenen Vorgänger „New“ (2013) frischer und teilweise moderner – auch sein zuletzt gealterter, oft brüchiger Gesang scheint wiederbelebt worden zu sein. Ob das neue Album auch Lieder enthält, die an McCartneys größte Geniestreiche herankommen? Das wäre vielleicht etwas zu viel verlangt. Zumindest die schönen Balladen „I Don’t Know“ und „Hand In Hand“, das verschachtelte „Caesar Rock“ und der letzte Track „Hunt You Down“ zeigen ihn aber auf der Höhe seiner Songwriter-Kunst.