nach oben
Patrick Oliver, Kristofer Benn, Marta Helmin, André Bachmann und Jennifer Kothe (von links) sind Onair, die mit ihren Weihnachtsliedern in der Schloßkirche gastieren. Foto: Ketterl
Patrick Oliver, Kristofer Benn, Marta Helmin, André Bachmann und Jennifer Kothe (von links) sind Onair, die mit ihren Weihnachtsliedern in der Schloßkirche gastieren. Foto: Ketterl
04.12.2018

Stehende Ovationen für „A Winter Concert“ der a-cappella-Gruppe Onair

Pforzheim. Pop trifft Klassik ist ein Format, das nicht nur bei der gerade tourenden „Night of the Proms“ seit 25 Jahren bestens funktioniert. Auch in die Pforzheimer Schloßkirche lockte die Crossover-Formation Onair die Besucher in Scharen, die voller Begeisterung und mit stehenden Ovationen das a-cappella-Quintett bei seinem „A Winter Concert“ feierten.

[ Eine kleine Hörprobe gefällig? Einfach hier klicken – "Stille Nacht" von Onair ]

Von Schubert bis Björk

Woran liegt der Erfolg der Fünf aus Berlin? Es sind nicht die großen, klassisch ausgebildeten Opernstimmen, die nicht immer ganz lupenreinen Intonationen, die den Charme von Kristofer Benn (Bass), André Bachmann (Tenor), Jennifer Kothe (Sopran), Marta Helmin (Sopran) und Patrick Oliver (Bariton) ausmachen. Es sind vielmehr die großen Emotionen, die sie mit ihren schönen Stimmen erwecken. Und mit einem Programm, das den ganz großen Bogen schlägt – von einer lateinischen Hymne, die als das dänische Weihnachtslied „Et barn er født i bethlehem“ daherkommt, bis zum polnischen Lied „Kolęda Maryi“, das Marta Helmin in ihrer Muttersprache vorträgt. Auch stilistisch könnte die Bandbreite kaum größer sein – von „Gute Nacht“ aus Franz Schuberts „Winterreise“, das Bachmann in Singer/Songwriter-Manier interpretiert, bis zu Björks „All Is Full Of Love“, das Jennifer Korthe mit glasklarem Sopran vorträgt, während ihre vier Gesangskollegen quasi als Orchester fungieren.

Auch das ist eine Stärke der 2013 gegründeten Formation: Da gibt Oliver als Beatboxer den Rhythmus vor, da werden Loops aufgenommen und eingespielt, da rauscht der Wind durch „Fix You“ von Coldplay, und da tauchen farbige Strahler und Bühnennebel die vor dem gotischen Lettner singende Gruppe in fast magisches Licht. Mehr Gänsehaut-Feeling geht nicht! Dass die Fünf auch ohne viel Technik können, stellen sie bei Bach-Gounods berühmtem „Ave Maria“ eindrucksvoll unter Beweis.

Viele Weihnachtshits

Und natürlich werden auch die Weihnachtshits zelebriert: „O Tannenbaum“, „Happy Xmas (War Is Over)“ von John Lennon und Yoko Ono, „Driving Home For Christmas“ von Chris Rea mit viel Bodypercussion, und selbst vor „Last Christmas“ von Wham! macht die Gruppe nicht halt. „Da gab es auch bei uns Meinungsverschiedenheiten“, sagt Bachmann. Doch in einer so kitschbefreiten Version bekommt der Text von George Michael, der – mal wieder – einer verlorenen Liebe nachtrauert, endlich eine Bedeutung.

Überhaupt sind Onair wunderbare Geschichtenerzähler, etwa in „Maria durch ein Dornwald ging“: Da fühlt jeder mit, wenn die Gottesmutter mit dem dem Kind „unter ihrem Herzen“ eine Herberge für die Geburt sucht. In das Lied aus dem 19. Jahrhundert eingebettet klingen „Maria“ aus der „West Side Story“ und Santanas „Maria Maria “ an. Da kommt das „Gloria in excelsis deo“ mit Reggae-Rhythmen daher, und da wird das Kyrie aus Bachs Kantate „Gelobet seist du, Jesu Christ“ zum Blues. Immer wieder bürstet das Quintett die Lieder gegen den Strich mit teils vertrackten Melodien und spannenden Dynamiken, da übernimmt jeder mal die Leadstimme, und es erklingen fein strukturierte Soundcluster.

Wie Onair die Lieder auswählt? „Hauptsache, der Inhalt gibt uns etwas, und die Musik trägt uns“, schildert André Bachmann. Das dürfen dann auch weniger bekannte Stücke sein, wie das in der DDR beliebte „Sind die Lichter angezündet“ von 1950, Max Regers „Mariä Wiegenlied“ von 1912 und das in den Nachkriegsjahren entstandene „Tausend Sterne sind ein Dom“ von Siegfried Köhler. Viele getragene Melodien und sanfte Tempi, die einen schönen Gegensatz bildeten zum Auftakt des Konzerts mit dem Rythmic Choir aus Pforzheim, Stuttgart und Karlsruhe, der mit einer Komposition von Chorleiter Sascha Rieger und den bekannten Songs „Mary, Did You Know?“ im Arrangement von Pentatonix und „Santa Claus Is Coming To Town“ aufwartet.

Stimmungsvolle „Stille Nacht“

Mit der zweiten Zugabe klingt der Abend dann stimmungsvoll aus: „Stille Nacht“ in einer gefühlvollen Interpretation. Die Zuhörer lassen sie in sich nachklingen, ehe der große Jubel ausbricht.