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Konstantin Wecker und Fany Kammerlander singen „Die Gedanken sind frei“ und alle machen mit. Foto: Frommer
03.08.2015

Stehende Ovationen für Konstantin Wecker beim Open Air im Osterfeld

Pforzheim. Gänsehaut-Momente zuhauf: Konstantin Weckers Auftritt machte das Sommersprossen-Festival zu einem denkwürdigen Konzertereignis. Im ausverkauften Osterfeld-Innenhof ließ der inzwischen 65-jährige Künstler das Pforzheimer Publikum an prägenden Stationen seines Lebens und seiner mehr als vier Jahrzehnte umfassenden Karriere teilhaben.

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Ein Höhepunkt von vielen: Gemeinsam mit der strahlenden Cellistin Fany Kammerlander schafft es der Münchner mühelos knapp 1000 Zuhörer „Die Gedanken sind frei“ singen zu lassen. Wohlgemerkt: Das Publikum sang vor, nicht nach; Kammerlander und Wecker stiegen erst danach in das Volkslied ein.

Besonders anrührend empfanden viele Konzertgäste Weckers musikalische Hommage „Für meinen Vater“. In diesem Lied bekennt der Liedermacher offen: „Mir flog das zu, was dir verwehrt geblieben, du hattest Größe und ich hatte Glück“ – und „Du hast die Liebe zur Musik in mir geweckt und ohne dich wär ich unendlich arm geblieben.“

Auch sanfte Töne gefallen

Besonders vehement umjubelt wird auch die vorletzte Zugabe: „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“, und zum vierten oder fünften Mal verwandelt sich der Innenhof gegen 23.45 Uhr in ein Meer aus Menschen, die stehend Beifall klatschen. Offensichtlich trifft Konstantin Wecker auch mit dem sanften „Buona Notte Fiorellino“ ganz genau den Nerv seiner Zuhörer.

Grandiose Musiker

Noch etwas beeindruckt bei Weckers langem Konzert: die künstlerische Freiheit, die der arrivierte Star seinen Begleitmusikern zugesteht. Und so zeigen sich die drei Mitstreiter Johannes Barnikel (Keyboard, Piano und Trompete), Wolfgang Gleixner (Akkordeon, Gitarre und Perkussion) und Fany Kammerhuber als grandiose Musiker, die Wecker an ihren Instrumenten nicht nur folgen, sondern auch inspirieren, fordern und humorvoll antworten. Natürlich hält der Liedermacher an seinem politischen Engagement auch beim Pforzheimer Gala-Auftritt fest: Hierfür mögen die dargebotenen Songs „Willy“, „Die weiße Rose“ oder „Einen braucht der Mensch zum Treten“ – stellvertretend für viele andere – genannt sein. Besonders viel Applaus erhält sein Martin Luther King und allen Kriegsflüchtlingen gewidmeter Titel „Ich habe einen Traum“, vor den er ein Rilke-Zitat stellt: „Der erscheint mir als der Größte, der zu keiner Fahne schwört und, weil er vom Teil sich löste, nun der ganzen Welt gehört“.

Drei Stunden zugehört

Die Besonderheit des Augenblicks wirkt auch auf Konstantin Wecker. Er sagt mit Blick auf die schnelllebige Smart-Phone-Zeit: „Es ist eine echte Gnade, wenn einem knapp 1000 Menschen gut drei Stunden einfach nur zuhören.“