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Mit einem Radarsystem scannen Forscher den Boden in der Nähe des weltberühmten Monuments Stonehenge. Foto: Verhoeven
Mit einem Radarsystem scannen Forscher den Boden in der Nähe des weltberühmten Monuments Stonehenge. Foto: Verhoeven
So wie in dieser Computersimulation könnte es ausgesehen haben: das unterirdische Steinmonument „Superhenge“. Foto: Stonehenge Hidden Landscape Project
So wie in dieser Computersimulation könnte es ausgesehen haben: das unterirdische Steinmonument „Superhenge“. Foto: Stonehenge Hidden Landscape Project
09.09.2015

Steingebilde von Forschern in England entdeckt

In England entdecken Forscher ein Stein-Gebilde unter der Erde. Es ist fast fünfmal so groß wie das weltberühmte Stonehenge.

London. Wer das Unesco-Denkmal von Stonehenge in der sanften Hügellandschaft von Südwestengland besuchte, hat bisher nur ahnen können, wie viele weitere Schätze sich hinter dem Anblick friedlich grasender Schafe verbergen.

Noch brausen die Autos über die Landstraße A345, an der Forscher jetzt ein neues riesiges Steinmonument gefunden haben, das vermutlich vor rund 4500 Jahren entstand – und damit sogar noch älter wäre als Stonehenge.

Drei Kilometer entfernt

Das Areal „Durrington Walls“ soll um rund 2600 v. Chr. entstanden und rund fünfmal so groß sein wie Stonehenge – auch deswegen wird es „Superhenge“ genannt. „Diese Entdeckungen sind etwas absolut Neues, sie sind von einer anderen Dimension“, sagte Projektleiter Professor Wolfgang Neubauer gestern. Das von Neubauer geführte Ludwig-Boltzmann-Institut in Wien hat im Rahmen des Projekts „Versteckte Landschaften“ zusammen mit britischen Universitäten geforscht. Rund drei Kilometer von Stonehenge entfernt fanden die Archäologen rund 90, zum Teil noch aufrechte Steine, von bis zu viereinhalb Metern Höhe. „Sie waren über Jahrtausende versteckt, und nur durch modernste Technologien konnten Archäologen sie entdecken, ohne dass sie graben mussten“, teilten die Forscher mit.

Nach Abschluss der Forschungsarbeiten sei es wahrscheinlich, dass die Geschichte von Stonehenge in einem neuen Licht erscheine, sagt Neubauer. „Im Gesamtzusammenhang gesehen werden wir die Geschichte von Stonehenge neu schreiben können.“ Der Einsatz modernster Messsysteme und von Fernerkundungsflügen habe es erlaubt, statt punktueller Forschungen ganze Landschaften zu erkunden.

„Wir messen einfach alles – wo was ist und wo nichts ist“, erklärt Neubauer. „Dieser revolutionäre Ansatz erlaubt uns, einen virtuellen Untergrund zu schaffen, in dem wir virtuell graben können.“

Von den etwa 90 in einer langen Reihe aufgestellten Steinen seien noch etwa 30 intakt. Viele schienen mutwillig umgestoßen oder in der Erde vergraben worden zu sein. Neubauer glaubt, dass Lücken in den Steinreihen darauf hindeuten, dass die bis zu 25 Tonnen schweren Kolosse nach entsprechender Bearbeitung auch für den Bau von Stonehenge genutzt wurden. „Es fehlen so viele, dass man locker ein Stonehenge davon bauen kann“, sagte er. Das würde „viel mehr Sinn“ machen als bisherige Theorien, wonach die Steine aus Entfernungen von bis zu 40 Kilometern nach Stonehenge gebracht wurden.

Neue Rätsel

Trotz der geschichtsträchtigen Funde geht das Rätselraten um den Ursprung der Steine und ihre Bedeutung als vermutliche Kultstätten weiter. „Es gibt Umwälzungen in der Landschaft, die wir nicht verstehen“, sagt Professor Vince Gaffney von der Universität Bradford. Für ihn ähneln die entdeckten Steinformationen einer Kathedrale. Laut Neubauer bedarf es noch viel Arbeit, um endgültig zu bestimmen, was der Sinn der neolithischen Steinkreise war. „Das ist ein Punkt, über den wir nur spekulieren können.“