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In seinem Buch gibt Orth Einblick in das geheimnisvolle Land „Iran“.
In seinem Buch gibt Orth Einblick in das geheimnisvolle Land „Iran“.
29.10.2015

Stephan Orth liest aus seinem kuriosen Bestseller „Couchsurfing im Iran“

Pforzheim. „Du bist verrückt. Ich verstehe nicht, was Du da willst“, sagte ein aus dem Iran stammender Arbeitskollege zu Stephan Orth. Doch sein Entschluss stand fest: „Ich wollte herausfinden, was sich hinter den Türen im Iran abspielt“, erzählt der Reisejournalist bei seinem gut besuchten Bildvortrag in der Stadtbibliothek.

. Den Alltag erleben, die Menschen treffen, keinesfalls als Tourist reisen. Knapp 9000 Kilometer ließ der 36-Jährige aus Hamburg im Frühjahr 2014 hinter sich, fuhr kreuz und quer mit dem Bus durch Persien, kam per Couchsurfing in Privatquartieren unter – und stellte fest: „Nirgends habe ich so eine Gastfreundschaft erlebt.“

Doch wäre es ihm nicht gelungen, seine Notizbücher und Fotos nach Deutschland zurückzubringen, wäre sein Buch „Couchsurfing im Iran: Meine Reise hinter verschlossene Türen“ wohl nicht entstanden. „Im Iran ist es ein Kinderspiel, in Spionageverdacht zu geraten“, sagt er. Wie der 36-Jährige aus Hamburg in einem Verhörzimmer der iranischen Polizei sitzt, vor Angst die falsche Postleitzahl nennt und sein Journalismus-Studium lieber verschweigt – damit beginnt nicht nur der Bestseller, sondern auch die Lesung, die mit eindrucksvollen Leinwandfotos ein anderes Bild des Schurkenstaates zeichnet.

Facebook, Satellitenschüsseln, all dies sei verboten, doch jeder benutze es. Partybilder mit unverschleierten Frauen im Minirock sind zu sehen, Schmuggler auf Pferden – aber auch ein Strand am Persischen Golf, voll mit Plastikmüll und direkt dahinter: ein Kernkraftwerk. Leute säßen dort und picknickten, liest Orth.

Scheinehe zur Sicherheit

Auch die Schlachtfelder, Panzer und Plakate mit „Märtyrern im Teenageralter“ lässt der Reiseschriftsteller nicht außer Acht. „In keinem anderen Land werden Märtyrer so verehrt“, sagt er. Aus praktischen Gründen ging Orth sogar eine zehntägige Scheinehe mit einer halbiranischen Hamburgerin ein, gastierte in winzigen Hotelzimmern, wo das Bett mit rosa Disney-Bezug genau zwischen die Wände passte. Kuriose Eindrücke gibt es ebenfalls, Hühner im Kofferraum zum Beispiel oder ein Werbeschild zu „Green Berlin Tea“ mit Frauen auf einem Teefeld vorm Brandenburger Tor. „Man ist überrascht, wie unkompliziert alles ist“, fasst Orth seine aufregende Reise zusammen und schließt damit einen kurzweiligen Lese-Bild-Abend.