nach oben
Stefan Stoppok gastiert solo im Kulturhaus Osterfeld. Foto: Frommer
Stefan Stoppok gastiert solo im Kulturhaus Osterfeld. Foto: Frommer
13.12.2016

Stoppok im Osterfeld: Vergnügt gegen den Strom

Pforzheim. Fangemeinde und Kritiker lieben Stefan Stoppok. Seit Jahren. Kein anderer deutscher Singer-Songwriter kann ähnlich perfekt mit Gitarre, Banjo oder Mandoline umgehen. Und keiner hält in seinen Texten so gekonnt die Balance zwischen alltagsnaher Satire und zeitvergessener Melancholie. Kein Grönemeyer, kein Meyle und erst recht kein zahm gewordener Westernhagen. Dennoch werden Stoppoks Songs im Radio nicht gespielt. Schon viel zu lange.

Man muss sich das mal vor Augen halten: Stoppok wird in den letzten Jahren immer wieder ausgezeichnet: 2013 – Musikautorenpreis der Gema, 2014 – Kleinkunstpreis der Stadt Rheine, 2015 – Deutscher Kleinkunstpreis und 2016 – mit dem deutschen Weltmusikpreis RUTH. Aber Airplay im Fernsehen oder Hörfunk? Denkste! Stefan Stoppok hat die Lehren daraus früh gezogen und produziert seine Songs selbst – und das mit anhaltendem Erfolg.

Beim Solo-Gastspiel im Malersaal trifft der gebürtige Essener dann auch auf ein beeindruckend textsicheres Publikum. Er bedankt sich mit der Ansage: „Schön dass ihr mir in der Stoppok-Diaspora die Stange haltet“ und mit seinem Song „Viel zu schön“ – der startet mit dem Reim „Viel zu schön hier auf der Erde, viel zu schön für ein Leben in der Herde. Ich lass’ sie zieh’n, ganz egal wohin“. Sofort ist der Saal da, fast alle singen mit.

Es sind aber keineswegs nur die bewährten Songs des bekennenden Nonkonformisten, die im Kulturhaus Osterfeld schnell verfangen. Ein Schwerpunkt des Solo-Auftritts sind junge Titel aus dem im September 2016 erschienen Band-Album „Operation 17“. Zum neuen Song „Friss den Fisch (egal wie er stinkt)“ sagt Stoppok verschmitzt: „Der ist eine Nord-Hymne geworden. Vorher wusste ich nicht, wie man Hymnen schreibt. Jetzt schon.“ Und: „Im Radio wird auch der nicht gespielt, wie alle meine Songs“. Das Pforzheimer „Süd-Publikum“ kennt auch den aufmüpfigen Refrain und stimmt kräftig ein. Übrigens sind es die Fans, die den grippekranken Stoppok – „Gegen Ende wird es schlimmer“ – in der Zugabe stimmlich tragen: Seine Songs „Ärger“, „Mein Freund der Kühlschrank“ und „Aus dem Beton“ sind Publikums-Hymnen mit überregionaler Bodenhaftung. Authentisch, hörenswert und zeitlos.