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Teamarbeit: Markus Löchner, Clemens Ansorg, Thomas Münstermann und Regieassistent Pascal Gruppe (von links). Foto: Hägele
Teamarbeit: Markus Löchner, Clemens Ansorg, Thomas Münstermann und Regieassistent Pascal Gruppe (von links). Foto: Hägele
13.06.2018

Stückentwicklung nach Shakespeares Drama „Richard III.“ im Podium des Theaters Pforzheim

Pforzheim. Das Böse lauert bekanntlich nicht nur in kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern blitzt mitunter wie aus dem Nichts auch im Alltag auf, manchmal völlig unerwartet. Wenn Amokläufe, kaltblütige Morde und andere Gewalttaten in den Nachrichten präsent sind, zucken wir zusammen und fragen uns: Wie konnte sowas passieren?

Aber worin liegt die Faszination des Bösen? Wieviel verdeckt Böses steckt, bei allen moralischen Ansprüchen, in uns selbst? Das sind einige der brisanten Fragen, denen das Stückprojekt „Richard III.“ am Theater Pforzheim nachgeht. Shakespeares vor über 400 Jahren entstandenes Drama, das der Produktion zugrunde liegt, ist eine Expedition in die Abgründe der menschlichen Seele; nach historischen Motiven schuf der britische Dichter eine Figur, die die Gier nach der Königskrone und somit nach Macht und Anerkennung grenzenlos entfesselt – und dabei über Leichen geht. Intendant Thomas Münstermann führt Regie bei dieser von ihm selbst konzipierten Produktion, die in ihrem offenen Charakter bewusstes Wagnis und zugleich Chance ist, ein historisches Drama aus unserer Gegenwart heraus zu begreifen und dabei auch mit Irritationen zu spielen. Denn, so Münstermann: „Wir haben uns auf einen Prozess eingelassen, in dessen zweiwöchiger Anfangsphase eine gemeinsame, gegenseitig inspirierende Erkundung des Stoffes stand, bevor die Schauspieler Markus Löchner und Clemens Ansorg mit eigenen ausgewählten Textvorschlägen kamen und wir im Laufe der Probenphase gemeinsam ein quasi neues Stück in Form einer individuellen Textmontage entwickelt haben.“

Ein Stück, das die spannende Gratwanderung zwischen der archaischen Sprache des Dichters und ganz heutigen Alltagsanmutungen zu bewältigen versucht: Richard, den die Zuschauer in seiner Wohnung in klaustrophobischer Atmosphäre beobachten, taucht in einen Dialog mit zahlreichen Figuren des Stückes ein und verschmilzt mit „Richard III.“ Während der Schauspieler Markus Löchner die Titelfigur gibt, sieht es sein Ensemblekollege Clemens Ansorg als Herausforderung, alle Personen im Umfeld des Protagonisten zu spielen. Dass der Schluss in jeglicher Hinsicht atemberaubend ist und manchem gewiss die Sprache verschlagen wird, ist fest einkalkuliert.