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Hauschoreograf Marco Goecke muss jetzt auch gehen. Fotos: Weissbrod
Hauschoreograf Marco Goecke muss jetzt auch gehen. Fotos: Weissbrod
Demis Volpi, der zweite Hauschoreograf, wurde bereits im Mai gekündigt.
Demis Volpi, der zweite Hauschoreograf, wurde bereits im Mai gekündigt.
Tamas Detrich, neuer Intendant des Stuttgarter Balletts, macht tabula rasa.
Tamas Detrich, neuer Intendant des Stuttgarter Balletts, macht tabula rasa.
12.07.2017

Stuttgarter Ballett trennt sich auch von Hauschoreograf Goecke

Sie stehen für die größten Erfolge des Stuttgarter Balletts: die Hauschoreografen Marco Goecke und Demis Volpi. Von beiden trennt sich die weltberühmte Compagnie – und stellt die Weichen für eine Zukunft unter dem neuen Intendanten Tamas Detrich.

Seine feinnervigen und oft alptraumhaften Tanzfantasien haben Marco Goecke als Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts zu Weltruhm verholfen. Nun erlebt der erfolgsverwöhnte 45-Jährige seinen eigenen künstlerischen Alptraum: Nach mehr als zehn Jahren von der Kritik gefeierter Ballett-Avantgarde verlängert die Compagnie zum Ende der Spielzeit 2017/2018 den Vertrag nicht. Er wolle die Freiheit haben, nach dem Ende der Intendanz von Reid Anderson im nächsten Jahr selbst neue künstlerische Akzente zu setzen, erklärte der designierte Intendant Tamas Detrich.

Die Nachricht des US-Amerikaners kam gestern so überraschend wie jene im Mai, als Noch-Intendant Anderson die Zusammenarbeit mit dem zweiten Hauschoreografen Demis Volpi beendete. Er sehe dessen wahres Talent in der Regie, im Geschichtenerzählen, aber nicht in der Choreografie, sagte Anderson.

Dass es ein Abschied auch dem „Ballett-Erneuerer“ Goecke drohen könnte, lag zwar in der Luft. Die Entscheidung fiel aber endgültig erst gestern Morgen, wie aus der Compagnie zu erfahren war. Demnach war der Künstler am Vortag der Einladung zu einem Gespräch mit seinem künftigen Chef ferngeblieben.

Die Chemie zwischen dem künftigen Intendanten und dem Hauschoreografen gilt spätestens seit März als vergiftet. Nach einem Gespräch der beiden beklagte sich Goecke damals in der „Stuttgarter Zeitung“ darüber, dass Detrich ihn loswerden wolle. Der bestätigte das zwar nicht, sprach lediglich davon, dass er mit allen Künstlern des Ensembles Gespräche führe. Aber Goecke reagierte verärgert über die Unterhaltung kurz vor Beginn der Proben für die Uraufführung des abendfüllenden Balletts „Kafka“. „Wie kann man einen Künstler so sehr destabilisieren?“, fragte Goecke in dem Blatt. „Ist es meine Arbeit nicht wert, erst auf das Resultat dieses abendfüllenden Balletts zu schauen und eine Entscheidung möglicherweise nochmals zu überdenken?“

Die für 30. Juni angesetzte Uraufführung platzte jedoch. Goecke war krankgeschrieben, und mit 30 Minuten Rohmaterial könne es keine Premiere geben, hatte Anderson erklärt. Ob es jemals zur Aufführung kommt, ist ungewiss.