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04.07.2016

Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim: Von Sehnsucht und Leidenschaft getrieben

Meisterhaft spielen das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim und der Cellist Maximilian Hornung für die treuen Unterstützer des Fördervereins. Und doch schwingt bei dem Sonderkonzert in der Schlosskirche auch Freundschaftliches mit, ein Band der tiefen Verbundenheit.

Kein Wunder: Das Orchester und der 30-jährige Ausnahmecellist kennen sich schon seit gut zwölf Jahren. Hornung war 18, als er zum ersten Mal mit dem Südwestdeutschen musizierte. Inzwischen hat der zweifache ECHO-Klassik-Preisträger internationales Parkett betreten, begegnet dem Pforzheimer Ensemble immer wieder bei Konzerten oder CD-Aufnahmen.

2009 haben sie die sieben Charakterstücke für Violoncello und Streichorchester von Victor Herbert eingespielt. Vier davon erklingen nun unter dem Dirigat von Timo Handschuh – und stellen einen guten Kontrast zum zweiten Cellokonzert D-Dur von Joseph Haydn dar. Allein die Tatsache, dass der Solist gleich zweimal in Erscheinung tritt – vor und nach der Pause und obendrein noch mit dem von Handschuh bearbeiteten, wunderschön romantischen Notturno aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ als Zugabe bezaubert, macht ihn sympathisch. Bei den Charakterstücken zeigt er mit dem Orchester eine große Palette an Klangfarben und Rhythmen. Da ist das druck- und seelenvolle „Mountain Brooks“, das prägnante „Ghazel“, bei dem ein Gnom scheinbar seinen Schabernack treibt, oder das innige „Punchinello“ mit den faszinierenden Verzögerungen und zarten Schwebemomenten. Ein brausend schnelles Stück ist „Yester-thoughts“, das an einen Insektenschwarm erinnert, und bei dem der letzte Zupfer wahrhaft zum i-Tüpfelchen wird. Schon einmal meinte man eine Herde Hummeln gehört zu haben – beim dritten, atemlosen Satz von Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 2 D-Dur, bei dem Celli und Bass mit kraftvollen Akzenten hervorstechen. Erwähnenswert ist auch das sehnsuchtsvolle, mit Fingerspitzengefühl dargebotene Andante.

Das Haydn-Konzert mit Bläsern ist sicherlich das eindrucksvollste Werk des Abends, beweist der Solist doch hier, dass er mit seinem Cello singen, lachen und innerlich brennen kann. Nach der langen Tutti-Einleitung des Kopfsatzes fällt Hornung mit bebend schnellem Bogenstrich ein, gerade so, als habe er auf diesen Moment sehnsüchtig gewartet. Seine leidenschaftliche Spielfreude bleibt ein Genuss. Mit Gefühl und lyrischer Eleganz berührt er bei den kanta-blen Passagen, mit Virtuosität und koketter Ausgelassenheit bei den heiteren im Finale. Von erhabener Kraft sind auch die Beiträge von Catherine Eisele und Joachim Bänsch (Hörner) sowie Julia Ströbel-Bänsch und Heike Wahl (Oboen), die auch bei Mozarts Sinfonie A-Dur KV 134 mitwirken.