nach oben
Das SWDKO unter Dirigent Timo Handschuh (am Cembalo) begleitet die Sopranistin Maria Rosendorfsky und den Konzertmeister Friedemann Breuninger bei Händels Will the sun forget to streak“.  Molnar
Das SWDKO unter Dirigent Timo Handschuh (am Cembalo) begleitet die Sopranistin Maria Rosendorfsky und den Konzertmeister Friedemann Breuninger bei Händels Will the sun forget to streak“. Molnar
13.09.2016

Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim weiht Kurtheater ein

Fast wie Seine Majestät, der König, könnte sich der eine oder andere Zuschauer gefühlt haben. Die Decke und Galerie mit ihrem prachtvollen Stuckdekor im Rokokostil, alles erstrahlt in altem, herrschaftlichem Glanz. Was könnte da besser passen, als auch die Bühne des Königlichen Kurtheaters in Bad Wildbad mit Musik zu beleben, die von Königen handelt, für Könige geschrieben oder sogar von einem König selbst komponiert wurde?

Genau das hat sich das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim (SWDKO) unter Leitung von Chefdirigent Timo Handschuh für seine Konzertpremiere im nun fertig restaurierten Kurtheater überlegt – und zum Auftakt das feierlich-frische Allegro aus der ersten Sinfonie von Friedrich dem Großen erklingen lassen.

Der Preußenkönig hat sich bekanntermaßen für die Förderung der Künste eingesetzt, aber als Flötist auch selbst gerne musiziert und komponiert. „Königsmusik“ lautet denn auch der Titel des begeistert aufgenommenen Doppelkonzerts, das vom Förderverein des Orchesters und des Kurtheaters veranstaltet und am Nachmittag besonders gut besucht wurde.

Ausdrucksvolles Duett

Mit dabei ist auch die Wiener Sopranistin Maria Rosendorfsky, die mit Mozarts „Exsultate, jubilate“ ihren Höhepunkt hat. Schön gelingt ihr auch die getragene Händel-Arie der Königin von Saba aus dem Oratorium „Salomon“ – „Will the sun forget to streak“ – im Wechsel mit Konzertmeister Friedemann Breuninger. Ausdrucksvoll bringen die Sängerin und der Sologeiger die Melodie zur Geltung, werden von den Streichern und Timo Handschuh am Cembalo dezent begleitet. Ganz anders dagegen der Beginn der Motette „Oh qui coeli terraeque serenitas“ von Antonio Vivaldi: Freudvoll und facettenreich gestaltet die zierliche Solistin diesen Part.

Unter die Haut gehen jedoch ihre langen Töne im anschließenden Adagio, die wie aus einem zarten Guss zu fließen scheinen. Schade nur, dass Rosendorfsky meist nach unten in ihre Noten schaut. Den Schluss der Motette meistert sie mit einem kurzen, lebhaften Alleluja, das in der Ausführung der Koloraturen genauso brillant erklingt wie das Alleluja bei Mozarts „Exsultate, jubilate“. Mit Leichtigkeit bewegt sich dabei ihre Stimme, die plötzlich auch viel Kraft ausstrahlen kann. Das zeigt sich etwa auch im dritten Satz, bei dem die Sängerin – passend zum ruhigen Gesamtklang – die Töne geschmeidig anschwellen lässt und fein nuanciert. Ähnlich schön kommt die Wärme ihrer Stimme auch bei der Arie „Zeffiretti lusinghieri“ aus Mozarts „Idomeneo“ zum Ausdruck.

Zwischen den Vokalstücken streut das Orchester weitere barocke und klassische Werke ein – die neu ins Programm aufgenommene Sinfonie A-Dur von Johann Stamitz zum Beispiel. Schwung- und dynamisch effektvoll kommen die Ecksätze daher, mit viel Fingerspitzengefühl dagegen der Mittelsatz.

Klangvoll abgesetzt wirkt auch das kurze Adagio zwischen den schnellen Außensätzen bei Tommaso Albinonis Concerto a cinque op. 7 Nr. 1 D-Dur. Denn nach dem einleitend barocken Elan folgt plötzlich ein Einbruch mit bewusst getragenen Tönen. Auch bei Giovanni Battista Sammartinis dreisätziger Sinfonia C-Dur ist es der elegische Mittelsatz, der nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Schön dabei die leichten Bewegungen in den ersten Violinen, während die anderen Streicher im gleichmäßigen Trauerrhythmus bleiben. Doch so schwermütig lässt Handschuh das Königskonzert freilich nicht ausklingen, lieber mit dem „Exsultate, jubilate“ von Mozart – und mit dem Presto von Stamitz nochmals als Zugabe am Abend.