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Bringt sein Publikum, egal welcher Herkunft, im Kulturhaus Osterfeld zum Lachen: Özcan Cosar. Foto: Seibel
Bringt sein Publikum, egal welcher Herkunft, im Kulturhaus Osterfeld zum Lachen: Özcan Cosar. Foto: Seibel
11.05.2018

Süße kleine Baklava: Drei Stunden lachen mit Özcan Cosar

Pforzheim. Harte Zeiten waren es damals, in Stuttgart, in den wilden 1990ern. Der junge Özcan Cosar als Straßengangster und Breakdancer. Da gab’s schon mal ’ne blutige Nase im Kampf gegen die Russen, die Albaner oder die Deutschen.

Beim Erinnern an die halbstarken Zeiten auf der Bühne des Kulturhauses Osterfeld hat Political Correctness Pause. Dafür tobt das Publikum, während der mehrfach preisgekrönte Comedian türkischer Herkunft nicht nur allseits bekannte Klischees über die eigene Community zu knallharten Lachern verarbeitet, sondern nebenbei auch über die teils bizarren Unbilden und Hürden bei der Integration der Gastarbeiterkinder und deren Eltern in Deutschland aufklärt.

Plumpsklo und Fake-Nutella

Da erfährt man staunend von der Schmach der türkischen Schulkinder, in der Pause kein bunt belegtes Vollkornbrot in der Tupperbox serviert zu bekommen wie die deutschen Kinder, sondern falsches Nutella auf trockenen Discounterbrötchen in der recycelten Plastiktüte. Von fadem Leitungswasser in von Großfamilien bewohnten Einzimmerwohnungen und Durchfall auf Plumpsklos. Und von 400 eingeladenen Gästen auf einer türkischen Hochzeit, zu der dann dreimal soviel kommen: „Ich kenne die gar nicht!“ Aber: Die eigentliche Herausforderung ist der Weg bis zur Hochzeit. Treffen über Treffen mit der Braut-Familie, Verhandlungen, Verlobung, und dann sind da noch die fünf Brüder der Auserwählten. Außerdem der eigene Vater, der sich für den Beruf des Sohnes, Comedian, schämt: „Für ihn bin ich ein arbeitsloser Witze-Erzähler.“

Bei allem Spaß, aller Unkorrektheit und Koketterie mit den eigenen Wurzeln nutzt der 37-jährige Stuttgarter die Gelegenheit für ein paar ernste Untertöne. Ein Seitenhieb auf die Rechtsradikalen und die Islamisten als Komplizen, die einen Keil zwischen die treiben wollen, die friedlich zusammen leben möchten. Außerdem: Den Flüchtlingen, etwa aus Syrien, die vor Krieg und Bomben fliehen, müsse geholfen werden. Klare Sache! Die Menschen seien auf einem guten Weg, da ist sich Cosar sicher, wenn auch „der Türke immer noch nicht ganz angekommen ist in Deutschland“.

Denn: „Mein größter Traum“ gibt der Sohn türkischer Eltern, der einen deutschen Pass besitzt, augenzwinkernd zu, „ist, dass Deutsche ihren Kindern türkische Namen geben.“ Murat, Schwester Ceynep und die kleine Baklava, zum Beispiel. „Weil sie so süß ist.“