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Rollen einen satten Klangteppich aus: A.S. Fanning.  Foto: Moritz 

„TTTT“-Festival startet mit Konzertder Rockband A.S. Fanning

Pforzheim. Welch ein Auftakt fürs „Tanz, Theater, Text, Ton“-Festival im Alten Schlachthof. Mit dem roten Bühnenlicht und den brennenden Tonnen hat das Setting beim wohl einzigen „Horch!“-Konzert 2021 etwas von einer Lagerfeuerromantik, als hätte es der US-Regisseur David Lynch („Lost Highway“) inszeniert. In dieser rustikalen, industriellen Hinterhof-Atmosphäre kommen etwa 120 Gäste in den Genuss des Konzerts einer international besetzten Band. Der in Berlin lebende Ire Steve Fanning alias A.S. Fanning feiert in Pforzheim mit einer Musikertruppe – unter anderem aus Frankreich, Portugal und den USA – das Finale seiner Deutschland-Tournee.

Die Band hat auf der Bühne wenig Raum, den sie aber nutzt, um mit zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug einen bisweilen satten, elektronisch unterstützten Klangteppich auszurollen. Etwa im ersten Stück, das mit schleppendem Beat und wabernden Strukturen in düsteren Gothic Rock mündet. A.S. Fannings Plattenfirma bezeichnet das gerne als Folk-Noir mit lyrischen Elementen, der in düstere, manchmal post-apokalyptische Welten befördert. Das Psychedelische und Wehmütige trifft aber nur für einen Teil der Songs aus den beiden bisher erschienenen Alben „Second Life“ (2017) und „You Should Go Mad“ (2020) zu.

Zumindest für die in Pforzheim dargebotene Variante, die bei aller musikalischen Dichte etwas zusammengewürfelt wirkt. Man könnte auch sagen: eklektisch und experimentierfreudig. Da wird es mal heiter folkig und flott rockig. Andere Nummern erinnern ans New Orleans der 1920er-Jahre, an Garagen-Beat oder kommen im launigen Americana-Style daher, wenn der recht introvertierte, schlaksige Sänger zur Mundharmonika greift. Fannings samtener Bariton weckt viele Assoziationen: Da hört man je nach Genre The National, dann wieder The Divine Comedy oder Adam Green raus.

Dem qualitätsbewussten „Horch!“-Publikum merkt man die Freude über das Live-Erlebnis deutlich an. Zu den Zugaben zählen ein irisches Seemannslied, eine Gänsehaut-Version von Kate Bushs „Running Up That Hill“ und dem längeren, reduzierten schwelgerischen Dream Pop („All Time“). Dann kann der Herbst ja kommen.

Michael Müller

Michael Müller

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