nach oben
Ingolf Lück, Multitalent und einstiger „Formel Eins“-Moderator, präsentiert sich mit viel Selbstironie. Foto: Meyer
Ingolf Lück, Multitalent und einstiger „Formel Eins“-Moderator, präsentiert sich mit viel Selbstironie. Foto: Meyer
25.02.2019

TV-Star Ingolf Lück gastiert mit Comedy-Programm im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. „Ja, sechs Monate nach ,Let’s Dance’ kann ich wieder laufen.“ So legt Ingolf Lück am Freitagabend los, nachdem er auf die Bühne des Kulturhauses Osterfeld gespurtet ist. Sein Anspielen auf die „erfolgreichste seriöse RTL-Sendung“, in der er vorgeblich tanzte, bis ihn seine Partnerin wiederbeleben musste, führt elegant zwei Eckpfeiler seines energiegeladenen Programms „Sehr erfreut“ ein: Mit einer gehörigen Portion Selbstironie nimmt sich der 60-Jährige immer wieder genüsslich auf die Schippe, was ihm viele Sympathiepunkte einbringt: „Ich kann alles wie ein 30-Jähriger, nur noch halb so lang“, behauptet Lück.

Gleichzeitig zerlegt der Mann, der in den 1980er-Jahren mit der Musikvideoshow „Formel Eins“ bekannt wurde und seither in unzähligen TV-Formaten mitwirkte, gerne die Absurditäten des Mediums – ob „Goodbye Deutschland“ („Da weiß ich, dass ich nicht der dümmste Mensch auf der Welt bin“) oder „Bauer sucht Frau“. Wer sehen wolle, wie schön doch das Landleben ist, müsse nur diese Sendung schauen. Medienkritik von einem, der es wissen muss. Auch wenn das Kulturhaus mit knapp 200 Gästen nicht ganz ausverkauft war, für viele ist der Typ mit der großen Nase und den lockeren Sprüchen ein Star. In der Pause werden am Tour-Plakat eifrig Erinnerungsfotos geschossen.

Manche Besucher biegen sich vor Lachen: Zwischen Kalauer und bissiger Scharfzüngigkeit haut er einiges raus. Etwa zur Deichmann-Krise: „Wenn die Schuhe teurer werden, gehen dann die Absätze zurück?“ Oder zum Fidget-Spinner, dem Trendspielzeug 2017. „Mehr Geld kannst du nur machen, wenn du Luft verkaufst.“

Auch wenn mancher Gag der Marke „Männer sind halt so“ überholt sein mag: Lück präsentiert einen kurzweiligen Mix aus clever geschriebenen Elementen und aktuellen, auch lokalen Verweisen. Das wortgewaltige, gut zweistündige Programm lebt von Stand-up-Comedy, in der er die Bühne körperlich, teils theatralisch nutzt und damit zu seinen Wurzeln zurückkehrt, und seinen am Hanns-Dieter-Hüsch-Gedächtnis-Tisch vorgetragenen Geschichten: vom ersten Kiffen mit seiner Frau in Amsterdam („Mit 50 Jahren, wie armselig!“), von Umzügen, der Schere zwischen Überzivilisiert-Sein und Barbarentum, vom Bio-Trend, vom Zumba, Acro-Yoga, vom Altern („Haare in Nase und Ohr? Die Natur will, dass wir Männer eklig sind“), von bekloppten Spaziergängern an der Enz mit nackter Babypuppe im Rucksack („Ich mag Verrückte, die halten die Mieten niedrig“), vom Tindern („Menschen aus dem Leben eliminieren durch Wischen, das ist die widerwärtigste Art der Partnersuche“) und aus seiner Kindheit in Bielefeld. Zweimal sei er durch die Fahrradprüfung gefallen, „ich konnte nichts“.

Bis heute sei er nicht nur Hypochonder, sondern auch Selbst-Suboptimierer. „Wenn nach dem Bedienen eines Wasserkochers das ganze Haus in Flammen steht, musst du das nie wieder machen.“ Je weniger man könne, desto glücklicher lebe man wohl. „Denken Sie nur an die Dschungelkönigin Evelyn Burdecki.“ Am Ende von Rolltreppen wünscht sich Lück eine Falltür für alle, die länger als eine Sekunde stehen bleiben. „Glauben Sie mir, es trifft die Richtigen. Und Mario Barth hätte keine Fans mehr.“