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„Brüderchen, komm’ tanz mit mir“: Beim Familienkonzert „Hänsel und Gretel“ des Südwestdeutschen Kammerorchesters unter Leitung von Timo Handschuh animiert die Sopranistin Maria Rosendorfsky als Gretel den Erzähler Willi Weitzel zum Mittanzen. Foto: Tilo Keller
„Brüderchen, komm’ tanz mit mir“: Beim Familienkonzert „Hänsel und Gretel“ des Südwestdeutschen Kammerorchesters unter Leitung von Timo Handschuh animiert die Sopranistin Maria Rosendorfsky als Gretel den Erzähler Willi Weitzel zum Mittanzen. Foto: Tilo Keller
12.03.2018

TV-Star Willi Weitzel begeistert erneut mit dem SWDKO im CCP

Pforzheim. Eine willihafte Version von „Hänsel und Gretel“ hat Willi Weitzel mitgebracht. Eine mit moderner Sprache, lustigen und fantasievollen Einfällen. „Ich habe ganz frech bei den Gebrüdern Grimm und bei Engelbert Humperdinck geklaut“, sagt der TV-Star beim Familienkonzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters im CongressCentrum.

Schon 2017 hatte der bekannte Moderator aus der Fernsehreihe „Willi will’s wissen“ als lebhafter Erzähler bei „Peter und der Wolf“ begeistert. Und auch beim musikalischen Märchen „Hänsel und Gretel“ nach der Oper von Engelbert Humperdinck bringt er rund 400 Kinder und Erwachsene zum Lachen, Fürchten und Träumen.

Alleine wäre er aufgeschmissen

Allein wäre der Erzähler in blauweiß-kariertem Hemd und Lederhose jedoch aufgeschmissen, werden doch zehn Lieder aus der 1893 uraufgeführten Oper präsentiert. Nicht in großer Symphoniebesetzung – das wäre für ein Kinderkonzert auch zu lang – sondern in einer gut einstündigen Fassung für Streichorchester von Michael Weiger. Und so bekommt Willi nicht nur vom Kammerorchester unter Leitung von Timo Handschuh Unterstützung, sondern auch von der erfrischend jungen Sopranistin Maria Rosendorfsky. Sie bezaubert als aufgeweckte Gretel mit Zöpfen und kurzem Kleid, springt auch mal in die Rolle von Mutter und Hexe mit rasantem Besenritt ums Publikum. Bevor es losgeht, versucht sich Willi im Dirigieren – was gründlich in die Hose geht: Die Streicher spielen mit Absicht schief. Also macht er das, was er am besten kann: Lächeln und Fragen stellen. Reihum quetscht der 46-Jährige die Musiker über ihre Instrumente aus, lässt auch kurze Ständchen spielen. „Die Bogenhaare sind ausschließlich von Hengsten, nicht von Stuten“, erzählt die Cellistin Andrea Hanke, fährt den Stachel am Cello aus und spielt „Alle Vögel sind schon da“. Später dürfen die Musiker noch mal aus der Reihe tanzen, die Cellistin Konstanze Bodamer zum Beispiel, die als „fiese“ Hexe hustet, oder der Bratschist Tomasz Korniluk, der den am Pult eingeschlafenen und lautstark schnarchenden Willi mit mückensurrendem Spiel wieder aufweckt. An den Notenständern baumeln Lebkuchenherzen, passend zu Willis oktoberfestartiger Kleidung und zum Häuschen der Knusperhexe, die im großen, schwarzen Wald wohnt – „dort, wo die Nagold fließt.“ Herrlich, wie lebendig Willi seine eigene Version des Märchens erzählt, dabei schnuppert, schnaubt oder als Vater mit tiefer Stimme trällert. Da träumen die Kinder von einer Engelsrutschbahn aus Wolken, da wird Hänsel mit Käsespätzle gemästet. Und da bekommt Willi einen Drehwurm bei „Brüderchen, komm tanz‘ mit mir“ mit Maria Rosendorfsky. Überhaupt ist die zierliche Sängerin ein Glanzlicht des Konzerts: Mit klarem, leuchtenden Sopran singt sie etwa „Ein Männlein steht im Walde“ oder „Der kleine Taumann heiß‘ ich“, zart und feinfühlig indes den Abendsegen. Beim Happy End tritt der Chor der Singschule und Jugendkantorei der evangelischen Stadtkirche und des Unterstufen-Chors des Hebelgymnasiums auf, singt mit Leichtigkeit das langsam gesteigerte Lied der „Kuchenkinder“, „Erlöst, befreit, für alle Zeit“ (Einstudierung: Heike Hastedt). Kraftvoll dabei auch die Partie der 20-jährigen Sophie Klink als Hänsel. Mit viel Applaus geht das Konzert zu Ende.