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Tänzerin Giulia Cenni zeigt einen Ausschnitt aus der Choreografie „Left“. Seibel
Tänzerin Giulia Cenni zeigt einen Ausschnitt aus der Choreografie „Left“. Seibel
Die Gruppe „Learn, Play and Work“ beim Proben ihres Stückes „Newcomer oder Geschichten vom flüchtigen Leben“ für die Tanztheatertage.  Seibel
Die Gruppe „Learn, Play and Work“ beim Proben ihres Stückes „Newcomer oder Geschichten vom flüchtigen Leben“ für die Tanztheatertage. Seibel
23.03.2016

Tanztheatertage setzen Zeichen

Satte 25 Jahre hat es gedauert: Zum ersten Mal kooperieren das Theater Pforzheim und das Kulturhaus Osterfeld – nach Zeiten, in denen eher Rivalität als Zusammenarbeit im Vordergrund stand. Gemeinsam starten sie ein Projekt, das auf die Zukunft baut, sowohl was die Akteure, als auch die künftigen Veranstaltungen angeht: Denn „TanzExil“ bezieht junge Menschen in die Aufführungen ein und soll, so Reinhard Kölmel vom Kulturhaus, quasi als Prolog für künftige Tanzfestivals in Pforzheim dienen.

Auch für Intendant Thomas Münstermann sind die Veranstaltungen am 1. und 2. April eine Saat, die erst in den kommenden Jahren aufgehen wird.

Denn zunächst einmal gilt es, das Pforzheimer Publikum dafür zu begeistern. Das Prinzip der insgesamt sechs Termine ist einfach erklärt: Ensembles und Gruppen am Stadttheater begegnen der ursprünglich aus Syrien stammenden Gastcompagnie Tanween – und zwar im Theater, im Kulturhaus, aber auch auf der Straße. Das Thema ist ein dauerhaft aktuelles: Flucht und Vertreibung, Heimat und Abgrenzung. Zu erleben in Aufführungen, „die bewusst Bezüge und Assoziationen zulassen“, sagt Chefdramaturg Peter Oppermann. Oder Fragen stellen – wie die syrische Choreografin Mey Seifan in ihrem Stück „Zerstörung für Anfänger 1 reloaded“. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die Frage, was man noch über ein Land erzählen kann, in dem Krieg der Normalzustand ist. Denn was bleibt nach der Zerstörung? Wovon können die Menschen noch träumen? Mit der Sehnsucht nach Heimat beschäftigen sich zwei weitere Aufführungen. Von Ensemblemitglied Edoardo Novelli stammt die Choreografie „Left“, die sich mit dem Exil nicht nur als Vertreibung von einem Ort, sondern auch aus dem eigenen Körper beschäftigt. Und mit seinem Abend „Heimatwelten“, der die gesamte Compagnie des Hauses einbezieht, hat Ballettchef Guido Markowitz bereits bei der Premiere in der Schloßkirche für Aufsehen und große Nachfrage nach weiteren Terminen gesorgt.

Für die Einbindung von 22 Pforzheimern im Alter zwischen sieben und 49 Jahren aus unterschiedlichen Ethnien und verschiedenen Religionen steht das integrative Theater-Projekt „Learn, Play and Work“ (die PZ hat berichtet), das unter Leitung von Antonia Schirmeister eine ganz eigene Version von Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott“ auf die Bühne bringt.

Ein Tanzworkshop im Osterfeld sowie eine Open-Air-Performance in der Fußgängerzone und auf dem Waisenhausplatz setzen ganz auf die „nonverbale Kommunikation mittels Körpersprache“, so Markowitz.