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Es kann losgehen: Die Maschinen im Technischen Museum sind zum Teil schon verpackt und warten darauf, gesäubert und neu positioniert zu werden. Foto: Seibel
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Luftig soll die Präsentation werden, sagen Cornelie Holzach und Sibylle Schüssler (rechts). Foto: Seibel

Technisches Museum für die Zukunft aufpoliert

„Die Patina bleibt, der Dreck wird entfernt“, sagt Museumsleiterin Cornelie Holzach. Gemeinsam mit Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler gibt sie einen Einblick in die Rundum-Erneuerung des Technischen Museums der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie. Rechtzeitig zum Schmuckjubiläum 2017 soll das derzeit geschlossene Museum wieder glänzen.

Für Cornelie Holzach war es ein Aha-Erlebnis: Städtische Praktikanten wurden auf eine Tour durchs Technische Museum geschickt – „und ganz schnell haben wir gemerkt, dass die jungen Leute schon mit dem Begriff ,walzen’ nichts anfangen können“, schildert die Museumsleiterin. Die Erkenntnis: „Wir müssen die Fachbegriffe anschaulich, verständlich machen.“ Das geschieht nun mit der Neugestaltung des Museums an der Bleichstraße. Wobei eines auch feststeht: Der Charme der alten Fabrikhalle soll erhalten bleiben. Ein Beispiel: der Betonfußboden mit seinen Spuren von Jahrzehnten wird nicht entfernt, sondern nur gereinigt. Und es wird einen „Zeitstrahl in die Zukunft“ geben, sagt Kulturdezernentin Sibylle Schüssler. So soll das neue Museum aussehen:

Das Technische Museum wurde 1983 eröffnet, nachdem über einen vier- bis fünfjährigen Prozess auf die Initiative des damaligen Bürgermeisters Fritz Wurster die Maschinen und Werkzeuge gesammelt worden waren. Dies mit dem Ziel, die sich zum damaligen Zeitpunkt im Strukturwandel befindende Schmuck- und Uhrenindustrie museal für die Nachwelt zu bewahren. Eine der wichtigsten Ideen für die Präsentation war das „lebendige Museum“: Die Maschinen sollten von Mitarbeitern vorgeführt werden. Nach fast 35 Jahren ist dringend eine Erneuerung notwendig, denn die Ansprüche der Museumsbesucher haben sich gewandelt. Das Grundprinzip des lebendigen Museums wird beibehalten, zudem eine zeitgemäße und besucherorientierte Präsentation entwickelt. „Wir wollen einerseits Kontinuität wahren und das Haus gleichzeitig fürs 21. Jahrhundert fit machen“, sagt Cornelie Holzach.

Die Grundidee des „lebendigen Museums“ bleibt erhalten. Maschinen werden vorgeführt, Mitarbeiter treten in Kontakt mit den Besuchern und gehen individuell auf deren Fragen ein. „Wir möchten aber auch Besucher ansprechen, die das Museum selbstständig entdecken wollen“, betont Holzach. Deshalb werden die einzelnen Bereiche künftig begleitet von kurzen Texten und Vertiefungsstationen, in denen Arbeitsvorgänge visualisiert werden, oder von kurzen Filmen. So soll auch Laien ein Zugang zu dieser hochspezialisierten Industrie- und Manufakturfertigung von Schmuck und Uhren ermöglicht werden.

Ein wichtiger Bereich der Neugestaltung wird der Eingangsbereich sein, in dem mit „Museumsfragen“ die verschiedenen Aspekte der Schmuck- und Uhrenfertigung in Pforzheim behandelt und beantwortet werden. Eine dieser Fragen lautet zum Beispiel: Was bedeutet die Schmuck- und Uhrenindustrie für die Stadt? Hier geht es um Aspekte wie die spezielle Architektur der Wohn- und Fabrikgebäude, die schon im 19. Jahrhundert bestens funktionierende Infrastruktur etwa mit Bahnanschluss und Elektrifizierung.

In einem Erzählstrang werden Referenzschmuckstücke vorgestellt, die den Fertigungsprozess von Station zu Station illustrieren. Gleich am Anfang, nach einer Einführung in die Schmuck- und Uhrengeschichte, steht eine ganz neue Abteilung, die den Arbeitstitel „Innovation und Optimierung“ trägt. Dabei wird auf den Strukturwandel der Traditionsindustrien hin zu Feinwerk- und anderen Technologien eingegangen, denn viele ehemalige Schmuck- oder Uhrenfirmen haben sich ihr Know-how zunutze gemacht und sind damit in anderen Wirtschaftsbereichen erfolgreich. „Wir verbinden im neuen Rundgang also Gegenwart und Zukunft und tauchen dann in die Vergangenheit des Schmucks und der Uhren ein“, sagt Holzach.

Die Entwicklung zur Konzeption der Neugestaltung war ein Prozess der Museumsleitung gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Martina Eberspächer und den Gestaltern des Architekturbüros Uwe Münzing. Ganz wesentlich waren dazu auch die Ideen und Vorschläge der Mitglieder des Fördervereins, die in vielen Bereichen ihr Fachwissen und Kenntnisse aus der Praxis eingebracht haben.

Martina Eberspächer, mit der die inhaltliche Aufbereitung für ein breites Publikum entwickelt wurde, hat langjährige Erfahrung mit Inhalten technikorientierter Museen und Ausstellungsräume, unter anderem mit dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart oder den Museen der Firmen Behr oder Fein GmbH. Ihr gelingt es, komplizierte und vermeintlich trockene Themen so aufzubereiten, dass Besucher neugierig werden und Freude daran haben. Holzach: „Eines unserer Ziele ist, dass die Besucher das Haus mit einem tieferen Verständnis für Technik im Allgemeinen und Pforzheimer Stadtgeschichte im Speziellen verlassen. Das Architekturbüro Münzing hat sich auf Ausstellungsgestaltung und Museumskonzepte spezialisiert. So ist es derzeit verantwortlich für die Firmenpräsentation von ZF in Friedrichshafen. In einem gemeinsamen Prozess werden gestalterisch und funktional schlüssige Lösungen für die Präsentation entwickelt. Dabei orientiert sich die Gestaltung an den vorhandenen Objekten und den wesentlichen inhaltlichen Kriterien.

„Wir haben ein Datum, das wir einhalten werden“, versichert die Museumsleiterin: Am 6. und 8. April 2017 wird das Museum im Rahmen des Jubiläumsfestivals 250 Jahre Goldstadt Pforzheim wiedereröffnet. Cornelie Holzach geht von einer Kostenplanung in Höhe von rund 940 000 Euro aus. Darin sind auch 150 000 Euro Spendenmittel der Werner Wild Stiftung enthalten. Außerdem konnten durch den Förderverein Firmen gewonnen werden, sich zu engagieren, und der Verein selbst will sich auch einbringen. Besucher können sich selbstständig oder bei Führungen und Vorführungen in die Inhalte vertiefen. „Und wir haben vor, die Öffnungszeiten zu erweitern.“ Holzach möchte das Haus künftig mittwochs bis samstags am Nachmittag und sonntags ganztägig öffnen.