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In die Normandie ging es mit Catherine Simon und ihrem Kommissar Leblanc.
In die Normandie ging es mit Catherine Simon und ihrem Kommissar Leblanc.
Nach Wien entführte Beate Maxian mit der Ermittlerin Sarah Pauli.
Nach Wien entführte Beate Maxian mit der Ermittlerin Sarah Pauli.
Ab nach Tokio: Henrik Siebold mit seinem japanischen Inspektor Takeda.
Ab nach Tokio: Henrik Siebold mit seinem japanischen Inspektor Takeda.
21.11.2016

Thalia-Kriminacht: Autoren entführen nach Trouville, Wien und Tokio

Pforzheim. Neugierig machen und nicht zu viel verraten – das ist die Kunst, die Autoren bei Lesungen mal mehr, mal weniger gut beherrschen. Bei der Pforzheimer Kriminacht in der Thalia-Buchhandlung mit Catherine Simon, Beate Maxian und Henrik Siebold zeigt sich der feine Unterschied – nicht nur beim Lesen. Auch inhaltlich geht es um die Eigenheiten ganz verschiedener Kommissare und Kulturen. In die Normandie, nach Wien, Hamburg und Tokio entführen die drei Autoren.

Normannische Sommerfrische

Den Beginn macht Catherine Simon mit ihrem Buch „Wintergäste in Trouville“. Es ist der zweite Fall ihres Kommissaren Leblanc, der von Paris an den normannischen Badeort versetzt wurde. „Er ist ein Filou, der gerne Beziehungen zu Frauen hat“, erzählt die Schriftstellerin aus Baden-Baden. Damit sich die Zuhörer ein Bild machen können, steigt sie mit dem ersten Kapitel ein, liest von Schneeflocken und Weihnachten, was Leblanc nicht ausstehen kann. Simons Ton ist leise, fast ein wenig zu monoton und zaghaft – auch bei der Textstelle, als Leblancs frühere Geliebte Marie eine tote Journalistin in einem renommierten Hotel findet. Ein Hauch von trockenem Humor blitzt am Ende ihrer Lesung durch, bei dem es wieder um den Kommissar und seine Verwandte geht, die Geschichte indes wird kaum beleuchtet.

Symbolische 108 Rosen

Beate Maxian, die in Österreich Krimifestivals organisiert und Bestseller herausgebracht hat, gibt mehr Einblicke in ihren „Mord in Schönbrunn“ – wenn auch nicht zu viele. Eines aber bestimmt: Im sechsten Fall ihrer abergläubischen Sarah Pauli geht es um Hokuspokus und Hochzeit, um symbolische 108 Rosen und eine Tote im Brautkleid. Wie ihre Protagonistin trägt Maxian ein rotes Corno um den Hals, ein Horn, das vor bösen Blicken schützen soll. „Wer von Ihnen ist abergläubisch“, fragt die Autorin denn auch mit österreichischem Akzent und verrät: „Ich schreibe gerne in mehreren Perspektiven.“ Die Autorin liest lebhaft, schnipst mit den Fingern, macht Pausen. Mal stottert sie, mal flüstert sie flehentlich.

Ungeduldige Ermittlerin

Lust erweckt auch Henrik Sie-bold auf seinen ersten Krimi „Inspektor Takeda und die Toten von Altona“. Der unter Pseudonym schreibende Autor ist in Japan geboren, kennt die japanische Kultur wie seine Westentasche. Doch sein Kommissar – ein „eleganter Asiate mit langen Haaren“ – ist alles andere als typisch japanisch. In Hamburg trifft er auf eine deutsche, ungeduldige Ermittlerin, mit der er den vermeintlichen Suizid eines Ehepaars – „Buchhändler übrigens“ – aufklären soll. Siebold wirkt entspannt, spricht deutlich, akzentuiert – und gibt nebenbei kleine Tipps für eine Reise nach Tokio. Eine abwechslungsreiche Kriminacht.

Anita Molnar