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Der Tenor Philipp Werner in der Rolle des Prinzen. Foto: Haymann

Theater-Intendant Thomas Münstermann über „Die Liebe zu den drei Orangen“

Pforzheim. Am Samstag wird eine Pforzheimer Erstaufführung die Spielzeit am Theater abrunden: Die Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergei Prokofieff, die 1921 uraufgeführt wurde, ist ein skurriles Märchen, ein unterhaltsamer Theaterabend und eine zauberhafte Liebesgeschichte. Die PZ sprach mit Intendant Thomas Münstermann über seine Inszenierung.

„Die Liebe zu den drei Orangen“ im Theater Pforzheim
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„Die Liebe zu den drei Orangen“ im Theater Pforzheim

PZ: Was hat Sie dazu bewogen, „Die Liebe zu den drei Orangen“ auf den Spielplan zu setzen?

Thomas Münstermann: Es gibt im modernen Musiktheater wenig poetisch unterhaltende Werke. „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Prokofieff ist eine Ausnahme. Das Stück sprüht vor Einfällen. Es ist eine wunderschön verrückte Handlung mit unterschiedlichsten Situationen, mit einer märchenhaften Fabel und trotzdem satirischem und ironischem Tiefgang. Das ist ein Stück, von dem jeder Intendant und Regisseur träumt, es im Spielplan zu haben,

Was macht diese Oper so einzigartig?

Im Nachdenken über das Stück überlege ich mir als Regisseur, wo ich das Werk in unsere Wirklichkeit einklinke. Aus dieser Fragestellung heraus habe ich eine Gegenüberstellung von zwei Kräften entwickelt: Fata Morgana und ihr skrupelloser, pragmatischer Machtanspruch als sachliches Prinzip – also durchsetzen, was es auch kosten möge. Dagegen steht mit der Figur des Zauberers Celio eine fast romantisch verklärte Gerechtigkeitswelt, in der alles gut werden soll. Dieses Gute und Böse drücken wir dadurch aus, dass es eine zweckgebundene, pragmatische, kalte, vielleicht kommerzorientierte Welt gibt und eine poetische, farbige Welt, die im ewigen Widerstreit stehen.

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„Die Liebe zu den drei Orangen“ von Serge Prokofieff

Worum geht es in diesem Märchen?

Wie jedes tolle Märchen, kann man es unterschiedlich interpretieren, und es erschließt sich für jeden Zuschauer auf seine Weise. Für mich ist es im Grunde eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Der junge Mensch, der nicht aus seinem Zimmer will, weil ihm die Realität zu rau, die Luft zu frisch ist. Die Motive, wie man sich die Welt der Erwachsenen erobern muss, sind hier märchenhaft verarbeitet, deshalb sind die handelnden Figuren Prinzen und Prinzessinnen. Aber gemeint ist unser Leben, das wir erobern müssen. Das geschieht im Abschied von unserer Kindheit und Jugend und durch Entscheidungen, ob wir den guten oder den dunklen Mächten in unserem Leben folgen wollen. Fragen wie: Was bin ich, was will ich sein, was fühle ich, gehören dazu. Das Entdecken der eigenen Persönlichkeit, das Entwickeln einer eigenen Initiative, das Spüren und Erwachen der Sexualität.

Die Oper von Sergei Prokofieff hat am Samstag um 19.30 Uhr Premiere. Es gibt noch Karten.

Sie wird in Pforzheim in deutsch mit deutschen Übertiteln gespielt. Auf dem Spielplan steht die Opern in vier Akten außerdem am 22. und 30. Mai, am 7., 11., 21., 23. und 25. Juni sowie am 3. Juli. Das Werk mit impressionistischen Anklängen entstand als Auftragsarbeit der Chicago Opera Company.