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Thomas Münstermann (Mitte) erklärt den Darstellern seine Inszenierung von „Nabucco“, die am Freitag Premiere feiert. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Foto: Seibel
Thomas Münstermann (Mitte) erklärt den Darstellern seine Inszenierung von „Nabucco“, die am Freitag Premiere feiert. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Foto: Seibel
17.09.2015

Theater Pforzheim: Alle machen sich bereit für die neue Saison

Das Theater steht kurz vor dem Start in die neue Spielzeit. Wir zeigen, was sich dort abspielt – auch abseits der großen Proben.

Übermorgen lüftet sich der Vorhang wieder. Für Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ – und damit auch für eine neue Saison. Eine Saison, die anders ist als viele vor ihr. Viele alte Gesichter sind gegangen, viele neue gekommen – allen voran der neue Intendant Thomas Münstermann. Und mit ihm ein ganzer Stab an neuen Führungskräften. „Nabucco“ ist ihr Projekt – Prüfstein ihrer Konzepte. Am Freitag entscheidet sich, in welche Richtung sich das Theater Pforzheim entwickeln wird. Was aber geschieht bis dahin? Wir haben ein Blick hinein gewagt – von der Bühne bis zum Bistro.

Für die Eröffnungspremiere sind sie am wichtigsten: die Proben auf der Bühne des Großen Hauses. Hauptverantwortlich ist Thomas Münstermann – die Regie des Verdi-Werks aber hat er sich mit Guido Markowitz, dem neuen Ballet-Direktor, und den beiden neuen künstlerischen Direktoren, Alexander May und Caroline Stolz geteilt. Wuselig geht es zu auf der Bühne. Der Anfang der Oper ist eine große Chorszene. Sie wird gerade geprobt. Da müssen nicht nur die Töne sitzen – genauso jede Geste bis ins Detail. So richtig will das noch nicht funktionieren. „Rotten Sie sich nicht zusammen!“ schreit Münstermann durch den Raum: „Bewegen Sie sich selbstständiger.“ Das ist nicht so einfach. In einer genau festgelegten Choreografie hat Münstermann die Sänger im Raum verteilt. In ihrer Hand ein Buch, mit dem sie wedeln müssen – auf ganz bestimmte Weise und auf die Sekunde genau. Dazwischen: aufstehen auf Kommando, die richtigen Wege auf der weiten Bühne gehen und vor allem: singen. Nur das Orchester, das fehlt noch.

Gemeinsam geprobt wird erst ganz am Schluss. Jetzt noch müssen die Sänger mit einer abgespeckten Musik zurechtkommen. Statt prachtvollem Orchester-Tutti erklingt die Musik vom Klavier. Ihre Einsätze erhalten die Choristen nicht vom Dirigenten, sondern von ihrer Chorleiterin Salome Tendies. Der Gesang, er sitzt schon. Viel schwieriger ist das Schauspiel. Wie um seinen Ausführungen mehr Nachdruck zu verleihen, ist Münstermann ins „Du“ gewechselt: „Ihr könnt diese Stelle nicht zehnmal falsch machen – und hoffen, dass ich das nicht bemerke.“ Es gibt noch viel zu tun – aber übermorgen. Da sitzt alles. Davon sind alle überzeugt.

Die Bühnenbildner

Die West-Side-Story wird rasant. Davon ist zumindest der technische Direktor, Thomas Kalkofen, überzeugt: „Das wird eine extrem bewegte Inszenierung“, sagt er über das Musical, das am 3. Oktober Premiere feiert. Und weil darin geskatet wird, musste stilecht eine Half-Pipe her. Er überwacht den Fertigungsprozess, an dem die Handwerker des Theaters – unter anderem Schlosser, Schreiner und Maler – beteiligt sind. Vom Ausstattungsleiter hat er die Pläne des Bühnenbilds erhalten – er muss sie umsetzen. Eine anspruchsvolle Aufgabe. Gerade, weil er gerade an vier Produktionen gleichzeitig arbeitet – mit ihren je eigenen Bühnenbildern. „Jedes einzelne Stück“, sagt er: „hat seinen ganz eigenen Stil.“

Die Theatermaler

Alles sieht so gammlig aus im Malersaal – der ganze Boden voller Müll. Das aber ist gewollt. Der Müll ist Teil der Inszenierung von „Bilder Deiner großen Liebe“, die am Samstag Premiere feiert. Dort wird Müll gebraucht. Müll, auf den es Asche geregnet hat. Um diesen Effekt zu erzielen, mühen sich die Theatermaler Susann Schürle (links) und Vanessa Kluge mit der Sprühpistole ab. Ist der Müll getönt, haben sie bei der Platzierung auf der Bühne wenig Mühe. Da ist nicht die Position jeder Tüte festgelegt – nur gammlig muss es aussehen. Das dürften sie hinbekommen.

Die Schneiderinnen

Nach Dampf riecht es hier in der Schneiderei des Theaters. Kein Wunder, denn Uta Weinhardt bügelt ja auch – und zwar ein Kostüm, das ab nächsten Freitag, 25. September, in „Sein oder Nichtstein“ gebraucht wird. Auch die Kostüme sind selbst gemacht. Insgesamt sechs Schneiderinnen sind beschäftigt – zwei werden gerade ausgebildet. Es gibt genug zu tun. Eine Aufführung wie Nabucco verlangt rund 150 Kostüme. Verschwindet das Stück aus dem Spielplan, ist für die Kleidung noch lange nicht Schluss. Sie wandert ins Depot und warten auf weiteren Einsatz.

Die Werbe-Abteilung

Was nützen die besten Theaterstücke und Opern, wenn niemand etwas davon mitbekommt? Damit das nicht passiert, hat auch das Pforzheimer Theater eine eigene Werbe-Abteilung, die sich vor allem um die Schriftstücke des Theaters kümmert. Besonders jetzt, in den allerletzten Tagen vor dem Saisonauftakt, gibt es für Lia Talbot und Sabrina Keller (von links) genug zu tun. Sie pflegen die Homepage des Theaters, geben Zeitungsanzeigen in Auftrag, betreuen Gewinnspiele, das Programmheft oder setzen die Monatsspielpläne um. Unterstützung erhalten sie in diesem Monat von Samantha Sturm (rechts). Sie macht eine Ausbildung bei der Stadt Pforzheim – und schnuppert auch ins Theater hinein.

Die Kantinenbetreiber

Auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, steht es sich nur sicher mit gefülltem Magen. Das weiß auch Hanifa Hamzic, die die Theater-Kantine seit rund 15 Jahren zusammen mit ihrem Mann Rahman betreibt. Morgens und abends schmieren sie Brötchen – mittags gibt es warmes Essen. Für 4, 50 Euro wird hier jeder satt. Bis zu 30 Essen gibt das Ehepaar jeden Mittag aus. Und am beliebtesten ist der Pizzatag. Die beiden machen ihren Job mit ganzer Seele. Deswegen machen ihnen auch die unangenehmen Arbeitszeiten nichts aus: „Wir kommen um acht Uhr morgens und bleiben bis drei“, sagt Hanifa: „Und dann kommen wir um sechs wieder – und bleiben bis abends – zehn Uhr, manchmal bis zwölf“.