nach oben
Hänsel (Chiharu Takahashi, links) und Gretel (Myriam Mayer) werden von Gans (Konstanze Fischer, rechts ) und Rabe ( Cornelius Burger) beobachtet.  Haymann
Hänsel (Chiharu Takahashi, links) und Gretel (Myriam Mayer) werden von Gans (Konstanze Fischer, rechts ) und Rabe ( Cornelius Burger) beobachtet. Haymann
02.12.2015

Theater Pforzheim: Zwei frech-witzige Tiere für Hänsel und Gretel

Pforzheim. Mit dem Märchen der Gebrüder Grimm hat die Inszenierung von „Hänsel und Gretel“ im Pforzheimer Theater nicht mehr viel gemein.

Ausgehend von der spätromantischen Opernfassung Engelbert Humperdincks hat Dramaturg Thorsten Klein gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Danilo Tepša ein kurzweilig-vergnügliches Singspiel kreiert, das dank kunstvoll platzierter Effekte dazu in der Lage ist, Erwachsene und Kinder gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen.

Im Mittelpunkt der Inszenierung von Ballettchef Guido Markowitz stehen die Geschwister Hänsel und Gretel (Chiharu Takahashi und Myriam Mayer), deren entbehrungsreiches Leben von Hunger und harter Arbeit geprägt ist und deren strenge Mutter (Gabriela Zamfirescu) sie zum Beeren Suchen in den Wald schickt, wo die Geschwister prompt der bösen Hexe begegnen.

Im Gegensatz zu Humperdincks Original hat Klein die Besetzung geschickt um zwei Figuren erweitert, die der Handlung einen modernen Anstrich verleihen: der Rabe Margo und die Gans Marlene, die von Cornelius Burger und Konstanze Fischer mit Handpuppen eindrucksvoll gemimt werden. Sie sind es auch, die das Publikum mit ihren eigenwilligen Wortspielen, ihrer frechen, trotzigen und vorlauten Art ein ums andere Mal herzhaft lachen lassen.

Hänsel und Gretel wirken dagegen eher blass und altmodisch. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie – dem Motiv der Armut eigentlich widersprechend – über moderne Smartphones verfügen sowie Sneaker und bunte Gummistiefel tragen. Für Kostüme und Kulisse sind Dirk Steffen Göpfert und Flora Fritz verantwortlich, die stark auf Details setzten. Besonders gut gelungen ist ihnen die böse Hexe (Gabriela Zamfirescu in der Doppelrolle), die trotz pinken Rüschenkleids durch Schminke, Hakennase und zerzauster Frisur eine herrlich Furcht einflößende Gestalt abgibt.

Einem ausgeklügelten Mechanismus ist es zu verdanken, dass Umbaupausen entfallen und sich das karge Elternhaus im Handumdrehen in einen dunklen Wald verwandelt, in das kunterbunte Hexenhaus oder ein Gefängnis.

Die Musik, gespielt von der Badischen Philharmonie Pforzheim, unterstützt die Handlung, ohne sich dabei in den Vordergrund zu rücken. Die Stimmen der Darsteller harmonierten grandios, auch wenn an so mancher Stelle nicht jedes Wort zu verstehen ist. Tiefgründige Weisheiten oder gar eine moralisierende Lehre suchte man in der rund 70 Minuten dauernden Inszenierung vergebens, findet dafür aber gute schauspielerische Leistungen gepaart mit virtuoser Musik und eindrucksvollem Bühnenbild. Viel Beifall.