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Herrenriege: Generalmusikdirektor Markus Huber, Intendant Thomas Münstermann, OB Peter Boch, Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen, Chefdramaturg Peter Oppermann, Ballettchef Guido Markowitz, Schauspieldirektor Hannes Hametner und der stellvertretende Verwaltungsdirektor Manfred Selzer (von links). Foto: Ketterl
Herrenriege: Generalmusikdirektor Markus Huber, Intendant Thomas Münstermann, OB Peter Boch, Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen, Chefdramaturg Peter Oppermann, Ballettchef Guido Markowitz, Schauspieldirektor Hannes Hametner und der stellvertretende Verwaltungsdirektor Manfred Selzer (von links). Foto: Ketterl
11.05.2018

Theater Pforzheim stellt den Spielplan der neuen Saison 2018/19 vor

Pforzheim. Was für einen Spielplan stellt ein Theater auf, dem die Stadt mal kurzerhand über 600.000 Euro an Fördermitteln gestrichen hat? Das, so Verwaltungschef Uwe Dürigen, „eklatant unterfinanziert“ ist? Einen sehr ambitionierten!

Mit Uraufführungen und eigens für die Pforzheimer Bühne entwickelten Projekten, mit Wagner-Oper und Shakespeare-Komödie. Dass diese Belastungen bei den Mitarbeitern Spuren hinterlässt, muss Intendant Thomas Münstermann nicht besonders hervorheben.

Und so ist es nur recht und billig, wenn Oberbürgermeister Peter Boch bei der Präsentation der Pläne für die kommende Saison betont: „Ich bin schlichtweg stolz auf unser Theater und schaue mit großem Respekt auf das, was es täglich leistet.“ Zumal neben dem Tagesgeschäft auf der Bühne auch die Kulturvermittlung, das Hineinwirken in die Stadt und die Integration unterschiedlicher Gesellschaftsschichten immer breiteren Raum einnimmt.

Trotz aller finanzieller Widrigkeiten kann sich die Bilanz der Bühne sehen lassen: Vom Saisonstart im September bis jetzt zählt das Haus 94.321 Besucher – ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 6.771 Zuschauern. 4.433 Personen haben zur Zeit ein Abo – wobei 43 Prozent der Neuabonnenten aus dem Enzkreis, 27 Prozent aus der Region im Umkreis von 50 Kilometern und 30 Prozent aus Pforzheim kommen.

Und auch die Einnahmenseite ist erfreulich: Dank der gerade auch im freien Verkauf hervorragend laufenden Stücke wie „Falco“, „Zauberflöte“ und „Dschungelbuch“ konnte das Stadttheater in seine Rücklage rund 58.000 Euro einbringen.

Sinnliches, Fröhliches und viel fürs junge Publikum

Wie wollen wir miteinander leben? Dieses Motto zieht sich durch das Programm des Schauspiels. Sinnliches und Fröhliches verspricht Chefdramaturg Peter Oppermann. Die Sparte startet in die Spielzeit mit Shakespeares „Wie es euch gefällt“ – eine so humorvolle wie tiefgründige Komödie über die Flucht der Menschen in den Wald. Sie streift Themen wie Zusammenhalt und Freiheitssuche. „Es ist ein großes Ensemble-Stück. Die Utopie der Geschichte ist die Liebe“, sagt Oberspielleiter und Regisseur Hannes Hametner.

Der Komödien-Klassiker „Pension Schöller“ ist ein gefundenes Fressen für alle Schauspieler. Das pointenreiche Lustspiel hinterfragt, was in unserem Alltag eigentlich normal ist. Damit will das Theater an den Erfolg der „Feuerzangenbowle“ aus der laufenden Spielzeit anknüpfen. Mit den weiteren drei Stücken hoffen die Verantwortlichen, vor allem junge Leute ins Theater zu locken. Viele hätten sich eine Rückkehr des kecken Sams auf die Bühne gewünscht. Markus Löchner inszeniert den Kinderbuch-Klassiker „Eine Woche voller Samstage“ von Paul Maar. Um „Faust I“, eines der meistgespielten Stücke überhaupt, kümmert sich Thomas Münstermann. Es geht um die Suche nach dem Absoluten in einer Gesellschaft voller Risse. Der Intendant will die „Kultur Schaffer“ dabei wieder einbinden. Er plant zudem Veranstaltungen mit dem Faust-Museum Knittlingen und dem Experten Michael Jäger. „Faust“ ist Abi-Schwerpunktthema. Mit „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury, einem Stück über die Macht des Buches in einem totalitären Staat, will Hametner „Hoffnung machen in unruhigen Zeiten“. Die politische Story steht in den Realschulen auf dem Lehrplan. „Es ist wichtig, die Angebote für die junge Zielgruppe auszubauen“, sagt Oppermann. Auch mit Theaterpädagogik und neuen mobilen Produktionen für Schulen und Kitas.

Vier Stücke im Podium vereinen schließlich zeitgenössische Dramatik und das Entdecken neuer Autoren.

Ballett ergründet die Schönheit im Unperfekten

Die traditionelle Spielstätte zu verlassen, hinaus in die Stadt zu gehen, neue Orte zu erkunden und zu erobern – das schreibt sich das Ballett seit langem auf die Fahnen. Nach der Schloßkirche und dem Emma-Jaeger-Bad zieht es Ballettdirektor Guido Markowitz ins Pforzheimer Schmuckmuseum. Mit dem Choreografen Damian Gmür bringt er das Stück mit dem ironischen Titel „Perfekt unperfekt“ in eine Umgebung, deren glanzvolle Preziosen oft gerade den Wunsch nach Perfektion verkörpern.

Zu dieser Schönheit, dem Glitzer und Glanz, will Markowitz einen Kontrast aufbauen. „Es sind die Momente des Unperfekten, in denen wir die versteckte Schönheit entdecken.“ Auch Tänzer wollten immer perfekter werden. „Doch wenn es Grenzen gibt, wird es spannend“, so der Ballettchef.

In den „Verwandlungen“ nach Ovids Dichtung „Metamorphosen“ erzählt er Geschichten von Leidenschaft, Liebe und Wut. Markowitz will in drei Teilen einen „sinnlich-farbenreichen Bogen“ spannen von der römischen Antike, über Strawinskys „Feuervogel“ bis in die Gegenwart.

Die erfolgreiche Reihe „Tanz pur“ bringt das Ballett ins Gasometer – „mit seinem grandiosen Bühnenbild.“ Und auch die Talentförderung „Junge Choreografen“ wird fortgesetzt.

Starpianist Olli Mustonen spielt Tschaikowsky-Klavierkonzert

Dieses Gastspiel ist ein Geschenk von einem knapp über 50 an einen, der 50 wird: Olli Mustonen, Starpianist und „eigentlich für uns nicht zu bezahlen“, so Generalmusikdirektor Markus Huber, kommt nach Pforzheim mit einer hübsch verpackt reduzierten Gage. Und spielt – „wenn schon, denn schon“, sagt Huber – Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll. Dazu gibt’s Hubers Geschenk an seine Badische Philharmonie: Rimsky-Korsakows „Sheherazade“ hatten sich die Musiker mal wieder gewünscht.

Auch in der neuen Saison setzt der GMD auf eine bewährte Mischung, den „Blick aufs Abseitige kombiniert mit berühmten Werken.“ Das reicht von Mozart (Linzer-Sinfonie von 1783) bis Ives („The Unanswered Question“, 1908), von Solisten wie der Geigerin Yukie Manuela Janke und dem Pianisten Kai Adomeit bis zum Gastorchester, den Stuttgarter Philharmonikern, mit denen Huber auch auf Tour geht – „Die Alpensinfonie“ von Richard Strauss im Gepäck. Beethoven, Bruckner, Sibelius, Dvorák sind ebenso zu hören, wie die siebenminütigen Variationen op. 30 von Anton Webern.

Musikalische Europareise: Opern, Musicals und Operette – unterschiedlicher geht es kaum

Von Wagner bis Hardrock – die Bandbreite des Musiktheaters könnte in der neuen Spielzeit kaum breiter sein. Und Ohrwurm-Qualitäten haben die Stücke auch noch – beispielsweise das Musical „Doktor Schiwago“ von Lucy Simon, in dem der berühmte Hit von Maurice Jarre natürlich nicht fehlen darf: „„Weißt du, wohin …“

Den Saisonauftakt macht ein musikalischer Auftakt, nämlich „Das Rheingold“, mit dem Richard Wagner sein großes Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ einläutet. Intendant Münstermann und GMD Huber nehmen die Oper, die zum ersten Mal in Pforzheim zu erleben ist, unter ihre Fittiche. Und Münstermann ist stolz: „Bis auf die Rolle des Alberich besetzen wir alle Partien aus dem Ensemble heraus“. Das spart nicht nur gewaltig am Gästeetat, sondern zeigt auch, welche Qualität die festengagierten Sänger der Bühne inzwischen besitzen.

Nach Wagner kredenzt das Theater leicht Bekömmliches: „Der Liebestrank“ von Donizetti bringt „unvergleichliche Italianita“, so Münstermann. Den Blick nach Frankreich richtet das Haus dann in besonderem Maße mit Georges Bizets „Die Perlenfischer“. Denn die Oper des „Carmen“-Komponisten soll in Kooperation mit dem Festival von Olivier Debordes im französischen Saint Céré auf die Bühnen gebracht werden. Dem slawischen Repertoire entstammt eine der schönsten Märchenopern: „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofjew, dessen wunderbare Tonsprache vielen aus „Peter und der Wolf“ bekannt ist. Hier ist wieder das Team Münstermann/Huber an der Arbeit – und scheut den Vergleich mit der Staatsoper Stuttgart nicht, wo die Oper ebenfalls in der kommenden Spielzeit aufgeführt wird.

Der Stoff stammt aus dem 15. Jahrhundert, die Musik aus dem Hardrock: „Everyman“ nach dem bekannten Schauspiel von Hugo von Hofmannsthal feierte bei der Uraufführung in Kaiserslautern mit der ProgMetal-Band Vanden Plas einen Sensationserfolg. Nun kommen Rockoper und Band nach Pforzheim, die dann gemeinsam mit der Badischen Philharmonie spielt.

In Johann Strauß’ beliebter Operette „Der Zigeunerbaron“ geht es um vieles – nur nicht um die ernsthafte Ausgrenzung einer Bevölkerungsgruppe. Und so soll die Aufführung am Stadttheater deutlich machen, dass es sich um Satirisches handelt und einen Schweinezüchter, der nicht nur mit dem „Schreiben und Lesen“ seine Probleme hat.

Was es in der neuen Spielzeit zu erleben gibt:

Musiktheater

„Das Rheingold“, Wagner-Oper, Spielzeiteröffnung, 14. September

„Doktor Schiwago“, Musical von Lucy Simon, 28. September

„Der Liebestrank“, Oper von Gaetano Donizetti, 17. November

„Der Zigeunerbaron“, Operette von Johann Strauß, 22. Dezember

„Die Perlenfischer“, Oper von Georges Bizet, 16. Februar 2019

„Everyman (Jedermann)“, Rock-Oper, 6. April

„Die Liebe zu den drei Orangen“, Oper von Prokofjew, 18. Mai

Schauspiel

„Wie es euch gefällt“, Komödie von Shakespeare, 22. September

„Pension Schöller“, Lustspiel, 2. November

„Eine Woche voller Samstage“, Kinderstück nach dem Buch von Paul Maar, 27. November

„Faust“, Tragödie von Goethe, 1. März 2019

„Fahrenheit 451“, Schauspiel nach dem Roman von Ray Bradbury, 18. April

Ballett

„Perfekt unperfekt“, Ballett von Guido Markowitz und Damian Gmür, November, Schmuckmuseum

„Verwandlungen (Metamorphosen)“ Ballett von Markowitz nach Motiven von Ovid, 26. Januar 2019

„Tanz pur“, Ballettabend, 10. Mai im Gasometer

„Junge Choreografen“, Ballettabend im Frühjahr 2019 im Podium

Podium

„Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser, 15. September

„Einstweilige Vergnügung“, Stück von Anna-Katharina Leitgeb, Uraufführung, 3. November

„Für immer schön“, Stück von Noah Haidle, 9. Februar 2019

„Cordiers Spuren“, Stück über Willi Cordier und die Glaubensgemeinschaft der Cordianer, Uraufführung, 1. Juni

Wiederaufnahmen

„Der Silbersee“, musikalische Volksoper von Kurt Weill und Georg Kaiser

„Die Zauberflöte“, Oper von Mozart

„Falco – The Spirit Never Dies“, Musical-Ballett von Amy Share-Kissiov

Junges Theater unterwegs

„Ginpuin“, ab fünf Jahren, Premiere am 22. Dezember im Podium

„Das Herz eines Boxers“, ab zehn Jahren, am 12. Oktober, Podium

„Jihad Baby!“, ab 15 Jahren, Premiere am 11. Januar, Podium

Sinfoniekonzerte

„Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ mit Olli Mustonen, Tschaikowsky-Klavierkonzert Nr. 1, Rimsky-Korsakows „Sheherazade“, 14. Oktober, CongressCentrum

Anush Nikogosyan (Geige), Webern, Tschaikowsky-Violinkonzert op. 35, 3. Sinfonie von Brahms, 2. Dezember

Kai Adomeit (Klavier), Rachmaninow Klavierkonzert Nr. 1, Saint-Saëns Klavierkonzert Nr. 2 , 2. Sinfonie von Sibelius, 24. Februar

Stuttgarter Philharmoniker, 1. Sinfonie von Beethoven, Alpensinfonie von Strauss, 7. April

Badische Philharmonie Pforzheim, Ives, Mozarts Linzer-Sinfonie, Bruckners 2. Sinfonie, 26. Mai

Yukie Manuela Janke (Geige), Violinkonzert von Glasunow, 7. Sinfonie von Dvorák, 30. Juni

Außerdem:

Ballettgala am 16. März , Bühnenball am 30. März, 25 Jahre Swinging Mallets am 11. Mai.