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Intendant Thomas Münstermann (rechts) und Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen blicken trotz schwieriger Finanzlage optimistisch in die Zukunft und auf eine aktuell gut laufende Saison.
Intendant Thomas Münstermann (rechts) und Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen blicken trotz schwieriger Finanzlage optimistisch in die Zukunft und auf eine aktuell gut laufende Saison.
21.11.2017

Theater blickt trotz schwieriger Bedingungen auf ein erfolgreiches Jahr

Was macht man, wenn in der Kasse plötzlich so viel weniger Geld ist? Klar, sparen! Das hat das Theater Pforzheim in der Spielzeit 2016/2017 getan – und zwar richtig.

Wenn Intendant Thomas Münstermann und Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen heute im Kulturausschuss die Zahlen der Bühne vorlegen, dann haben sie einen Kraftakt hinter sich. Denn: Insgesamt 443 000 Euro waren durch Streichungen weniger im Finanztopf. Was tun? „Um diese Summe einzusparen, hätten wir eigentlich zwölf Stellen streichen müssen“, sagt Münstermann. Doch wie soll das gehen, ist das Theater doch ohnehin am personellen Limit angelangt? „Wir sind mit 211 Planstellen eines der kleinsten Dreisparten-Theater Deutschlands“, sagt Dürigen und vergleicht: Ulm mit seinen 250 Stellen, Heidelberg mit über 300. Was bleibt? Weniger spielen, weniger ausgeben. Und genau das hat die Bühne gemacht: Eine Produktion im Unterhaltungsbereich fiel weg, und auch die Zahl der auswärtigen Gastspiele wurde um acht reduziert auf 21.

Münstermann rechnet vor, was allein die Streichung beispielsweise einer Musical-Produktion einspart: 17 Prozent der Einnahmen – rund 30 000 Euro – gehen allein an Tantiemen weg, weitere 30 000 Euro schlagen für Gast-Solisten und Band zu Buche, 60 000 Euro kostet die Gesamtproduktion samt Regie, Choreographie, Ausstattung. Summa summarum: 120 000 Euro. Dagegen stehen allerdings auch die Einnahmen von zwölf – etwa wie bei den „Blues Brothers“ ausverkauften – Vorstellungen. Und auch die geringere Zahl an Abstechern wirkt sich auf die Gesamtbesucherzahl aus. „Wir haben ein ganz klares Ergebnis“, rechnet Münstermann vor: „Sechs Prozent weniger Zuwendungen, sechs Prozent weniger Zuschauer.“ Und dabei habe man Glück gehabt, meint Dürigen: wenig Krankheitsfälle, keine unvorhergesehenen Ausgaben. Allerdings: „Wir sind immer am Limit.“ Will heißen: Passieren darf nichts, um die Bühne nicht in existenzielle Finanznöte zu bringen.

Doch davon merkt der Zuschauer glücklicherweise nichts. Nach wie vor halten viele der Bühne auf dem Waisenhausplatz die Treue, was auch die Abonnemententwicklung aufzeigt. Obwohl zwei Abo-Reihen zusammengelegt wurden, ist die Zahl leicht steigend. „Und wir gewinnen jedes Jahr 400 neue Abonnenten dazu“, betont der Intendant – gerade genug, um die jährlichen Kündigungen aufzufangen. Und – „so ganz nebenbei“ – habe man ein Ensemble aufgebaut. Was wiederum für einen deutlich reduzierten Gästeetat und eine höhere Identifikation der Theaterbesucher mit ihren Schauspielern, Sängern und Musikern sorge.

Und wie sieht es in dieser Spielzeit aus? Zufriedene Mienen bei Münstermann und Dürigen. Es läuft gut. Die Mozart-Oper „Zauberflöte“ und das Musical-Ballett „Falco – The Spirit Never Dies“ sind ständig ausverkauft. Das Schauspiel befindet sich im Aufwärtstrend – und begeistert gerade nicht nur Thomas Münstermann mit der „sehr gelungenen und witzigen Inszenierung“ der Komödie „Das Abschiedsdinner“ im Podium. Zudem erwartet der Intendant beim neuen Weihnachtsmärchen auch deutlich mehr junge Besucher. Aber das wird „Das Dschungelbuch“ schon richten.