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Ein echtes Multitalent: Stefan Zimmermann. Foto: Nisha PR
Ein echtes Multitalent: Stefan Zimmermann. Foto: Nisha PR
08.03.2019

Theaterstück-Autor Stefan Zimmermann: „Populismus ist eine Gefahr“

PZ-Interview mit Stefan Zimmermann über sein Theaterstück „Mr. President First“, das in Remchingen Premiere feiert

Unterhaltsame Parabel auf unsere heutige Weltpolitik in Zeiten von Manipulation und Populismus: Das renommierte a.gon Tournee-Theater mit Sitz in München feiert am Mittwoch in Remchingen Uraufführung mit dem Stück „Mr. President First“ und geht danach auf Deutschland-Tournee. Autor und Intendant Stefan Zimmermann liefert damit sein erstes selbst geschriebenes Theaterstück ab. Die PZ hat sich mit ihm unterhalten.

PZ: Herr Zimmermann, wie kam es zur Uraufführung Ihres Stücks in Remchingen?

Stefan Zimmermann: Wir produzieren Theater für Städte, die ein eigenes, öffentlich veranstaltetes Theaterprogramm durchführen, aber kein festes Ensemble haben. Remchingen ist eine klassische Gastspielbühne. Mir hat der Leiter der Kulturhalle, Paul Taube, schon im vergangenen Jahr angeboten, die Uraufführung dort zu machen.

Warum betrachten Sie es seit so vielen Jahren als Ihre Aufgabe, Theaterarbeit für kleine und mittelgroße Städte zu leisten?

Man kann sagen, dass etwa 400 Theater im deutschsprachigen Raum eine städtisch veranstaltete Theaterarbeit betreiben, aber kein eigenes festes Ensemble haben. Diese Gastspielbühnen werden mit hochkarätigen Aufführungen versorgt. Die qualifizierte Theaterarbeit richtet sich insgesamt an viele Millionen Bürger, von denen wiederum eine riesige Anzahl das öffentlich geförderte Kulturangebot auch tatsächlich wahrnimmt. Es ist daher eine sehr spannende und auch fordernde Aufgabe, Theater für die Fläche zu entwickeln. Leider fehlt in einigen Kommunen das Geld für diese wichtigen Kulturprogramme. Ich setze mich für die Förderung als wichtige kommunale Aufgabe ein.

Wie kamen Sie auf das Thema, das ja Bezüge zur US-Präsidentschaft nahelegt?

Das Stück wäre vor wenigen Jahren gar nicht denkbar gewesen. Inzwischen hat sich, ausgehend von den populistischen Strömungen in den USA, vieles ereignet. Dinge, die bis nach Europa und Deutschland zielen. Was sich in den USA mit der Wahl Trumps zum Präsidenten tatsächlich ereignet hat, mit welchen Methoden diese Wahl vorbereitet wurde und welche Ziele dort verfolgt werden, hat mich unglaublich interessiert. Vor allem, der Begriff „Fake News“ hat eine neue, hochpolitische Dimension erreicht. Entweder leugnet man damit die Wahrheit, oder man verkündet seine eigene Sicht – oft eine sehr manipulative – als Wahrheit, sogenannte „alternative Fakten“. Die Präsidentschaft und die Kür Trumps wird in dem Stück nicht nachgearbeitet. Es sind die Vorgänge des Zeitgeschehens, die mich zu einem Stück gebracht haben. Die Handlung ist zwar davon inspiriert, aber frei erfunden.

Welche gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen kritisieren Sie?

Dass stark mit Bildern gearbeitet wird, die bei den Menschen Angst erzeugen, hat mich interessiert. Natürlich kritisiere ich dieses Vorgehen, das wir auch in Deutschland kennen. Dass zum Beispiel das Flüchtlingsproblem oder die drängenden Fragen der Erderwärmung zum Handeln zwingen, ist klar. Allerdings müssen die Debatten sachlich und fachlich qualifiziert laufen. Wir sehen aber, dass Parteien zum Teil mit diesen Themen Ängste schüren, um Erfolg bei den Wahlen zu haben. Im Bereich des Klimawandels geschieht teilweise das Gegenteil: Er wird von einigen Akteuren schlicht geleugnet. Das alles läuft unter dem Begriff Populismus. Und darin sehe ich eine erhebliche Gefahr für die Demokratie und auch für den europäischen Gedanken.

Setzen Sie in Ihrer Inszenierung eher auf Heiterkeit oder Nachdenkliches?

Das Stück soll sensibilisieren, wie die Vorgänge hinter den Kulissen sind oder ähnlich ablaufen könnten. Die Handlung ist zumindest absolut denkbar. Die Hauptfigur ist ein US-Moderator, der seine Medienmacht ausnutzt. Später wird er von gewissen Mächten selber zur Macht verführt. Viele der im Stück diskutierten Dinge sind tatsächlich in den politischen Debatten in den USA in ähnlicher Weise geäußert worden oder beruhen auf tatsächlichen Ereignissen. Nun habe ich bewusst eine ganz eigene Geschichte daraus gemacht, die spannend und unterhaltsam ist, an manchen Stellen auch komisch. Der große Dürrenmatt hat einmal gesagt, wir kommen den Dingen nur noch mit der Komödie bei. Ich möchte kein trockenes Theater liefern. Ich möchte die Inhalte gut verpacken und für die Bühne spannend machen.