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Der Dirigent Thomas Hengelbrock begeistert mit seiner Interpretation von Mendelssohns „Elias“. Fotos: Manolo Press
Der Dirigent Thomas Hengelbrock begeistert mit seiner Interpretation von Mendelssohns „Elias“. Fotos: Manolo Press
Alljährlich verleiht die Kulturstiftung Festspielhaus – vertreten durch Horst Weitzmann – den Karajan-Preis. Warum Thomas Hengelbrock den Preis in diesem Jahr besonders verdient hat, verriet der Schauspieler Klaus-Maria Brandauer (von links).
Alljährlich verleiht die Kulturstiftung Festspielhaus – vertreten durch Horst Weitzmann – den Karajan-Preis. Warum Thomas Hengelbrock den Preis in diesem Jahr besonders verdient hat, verriet der Schauspieler Klaus-Maria Brandauer (von links).
02.02.2016

Thomas Hengelbrock wird mit Karajan-Preis ausgezeichnet.

Er gehört neben Valery Gergiev, Anne-Sophie Mutter oder John Neumeier zu den Künstlern, die besonders häufig im Festspielhaus Baden-Baden auftreten: Seit 1999 hat der Dirigent Thomas Hengelbrock dort Projekte ganz unterschiedlicher Art realisiert – von Alter Musik über italienische Oper bis zum Musical. Keine Frage, dass auch er ein heißer Kandidat für den „Herbert von Karajan Musikpreis“ sein musste.

Nun hat er den vom Kuratorium der Kulturstiftung Festspielhaus ausgelobten Preis auch erhalten. Die 50.000 Euro Preisgeld, die zweckgebunden für die musikalische Nachwuchsarbeit bestimmt sind, stiftet er den Projekten der Akademie Balthasar Neumann. Die Stiftung der Karajan-Erben hat die Summe zur Verfügung gestellt.

Mit dem von ihm gegründeten Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble führte Hengelbrock im Konzert zur Preisverleihung Mendelssohns Oratorium „Elias“ auf – und bestätigte eindrucksvoll die erwähnten Tugenden seines Künstlertums.

Intim statt monumental

Das Oratorium ist seit 170 Jahren ein beliebtes Stück der großen bürgerlichen Chorvereinigungen. Aufführungen mit bis zu 1000 Sängern sind belegt. Bei Hengelbrock in Baden-Baden waren es jetzt gut 50 – und die sangen so klar und rein, dass man meinen konnte, er sei nur eine Sängerin oder ein Sänger pro Stimme. Dabei war der Chorklang alles andere als dünn, sondern erlesen, farbig und biegsam. Die Textbehandlung war von einer faszinierenden Präzision und Sinnhaftigkeit, die nicht nur für eine besondere strukturelle Transparenz, sondern für zwingende theologische Durchdringung des Werks sorgte. Letztere ist ja ein Kennzeichen der Interpretationen geistlicher Musik durch Hengelbrock, der eben immer hinter die Noten blickt und dadurch musikalische Erfahrung intensiverer Art als üblich beschert. Der berühmte Schauspieler Klaus Maria Brandauer, der auch in Baden-Baden schon in Konzerten mit Hengelbrock zu erleben war, hob in seiner Laudatio nicht zuletzt diese Qualität bei seinem Künstlerfreund hervor.

Exzellente Besetzung

Der Balthasar-Neumann-Chor besteht ja aus exzellenten Solisten, weshalb die Chorsoli diesmal auch zu den schönsten Momenten der Aufführung gehörten. Erwähnt seien nur die Sopranistinnen Antonia Bourvé und Gerlinde Sämann. Die Titelrolle des Propheten war mit dem Bariton Michael Nagy exzellent besetzt. Er sang mit Würde und ausgefeilter Stimmkultur, frei von allem Poltern und doch mit Feuer und Nachdruck. Lothar Odinius gab der Tenorpartie geschmeidige Form und Sprachkraft. Ann Hallenberg glänzte in den Stücken für Alt durch differenzierten und klangschönen Vortrag. Genia Kühmeier war nicht nur, aber ganz besonders in der Arie „Höre, Israel“ eine Sopransolistin von ausdrucksvoller Linienführung. Die 13. Preisverleihung des Karajan- Musikpreises war die letzte in Baden-Baden. Auf Wunsch der Karajan-Witwe Eliette wird die Auszeichnung ab 2017 in des Maestros Geburtsstadt Salzburg verliehen.