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Arbeit mit Anmut und Ausdruck: Skuppturen von Michael Tolloy. Foto: Ketterl
Arbeit mit Anmut und Ausdruck: Skuppturen von Michael Tolloy. Foto: Ketterl
12.10.2018

Tiroler Holzbildhauer Michael Tolloy stellt bei Oliver von Zepelin aus

Pforzheim. Geheimnisvoll wirken die Frauen-Figuren des Michael Tolloy. Ausdrucksstark und anmutig. Manchmal auch melancholisch. Ihre Augen leuchten im Licht. Es ist eine Darstellung von poetischer Tiefe, in der man glaubt, bis in die Seele blicken zu können. Die Körper sind mal glatt, die Maserungen des Holzes ergeben dann spannende Strukturen, oder mit Bergkreide modelliert, sie wirken wie Bronze-Figuren. Andere eher wie Ausgrabungen. Und manch Kopf ist derart geschliffen, dass er wie Marmor anmutet.

Unter dem Titel „Ideologien – so nah, so fern“ zeigt Michael Tolloy 18 Figuren, Büsten und Köpfe, allesamt menschliche Darstellungen, sowie acht Malereien, die als Modellzeichnungen für die Figuren dienten. Elf Arbeiten sind erst in diesem Jahr entstanden und werden erstmals bei Oliver von Zepelin Wohnen & Handwerk an der Kallhardtstraße 30 gezeigt. Es ist die erste Ausstellung des Unternehmers in diesem Jahr. Er öffnet dafür die ehemaligen Atelier-Räume der Modedesignerin Eva Vogt im Kollmar&Jourdan-Haus. Im Innenhof steht ein eindrucksvoller Kopf mit knapp drei Metern Höhe. Er ist nur dieses Wochenende zu sehen, weil ihn eine Galerie auf einer Messe zeigen will.

Das Menschsein steht im Vordergrund der Arbeiten des Tiroler Bildhauers, in aufrechter Form und Haltung, als Gratwanderung zwischen experimenteller Gestaltung und klassischer Form. „Allgemein möchte ich mit meinen Skulpturen auf ein friedliches harmonisches Zusammensein hinweisen“, sagt der 37-Jährige. Schließlich hätten wir alle denselben Ursprung, quasi dieselben Eltern seit Tausenden von Jahren – egal welcher Herkunft, Kultur, Rasse oder Religion. Das sei ihm gerade heute wichtig, in Zeiten rasanter gesellschaftlicher Entwicklungen. „Vielleicht kann ich etwas mitgeben für ein gutes Miteinander“, sagt er. Auch die Themen Familie, Freunde und Liebe wolle er ansprechen. Holz sei für ihn ein bescheidenes Arbeitsmaterial. „Der positive Kern, die Seele meiner Arbeiten“, sagt Tolloy. Gerne nutzt er die Zirbe, das Holz seiner Heimat. Aber auch Linde oder Zypresse.

Kunstgeschichtlich lässt sich Tolloy mehrfach beeinflussen: Geradezu ikonisch ist das Erhabene, der lange Hals der berühmten Nofretete-Darstellung im alten Ägypten. „Die Antike gfällt mir narrisch gut“, sagt er auf Tirolerisch. Eine zeitlose Geradlinigkeit, das Archaische findet sich bei den Griechen, die Helligkeit, das nach oben zu Gott strebende, das Sakrale in der Architektur der Gotik.

Die Vernissage findet heute um 17 Uhr statt. Die Ausstellung ist an der Kallhardtstraße 30, im Innenhof des Kollmar&Jourdan-Hauses, bis Samstag, 10. November, zu Oliver von Zepelins Ladenöffnungszeiten zu sehen: montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr.