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Fabelhaftes Frühwerk: Im Alter von 22 Jahren malt Tizian das „Bildnis eines jungen Mannes“. Foto: Städel
Fabelhaftes Frühwerk: Im Alter von 22 Jahren malt Tizian das „Bildnis eines jungen Mannes“. Foto: Städel
Nur 20 mal 17 Zentimeter groß ist das in Öl auf Pappelholz gemalte „Bildnis eines jungen Mannes“, neben dem auf der linken Seite in der Frankfurter Ausstellung Jacopo Bassanos „Bildnis eines Geharnischten“ (um 1560) platziert ist. Foto: Städel
Nur 20 mal 17 Zentimeter groß ist das in Öl auf Pappelholz gemalte „Bildnis eines jungen Mannes“, neben dem auf der linken Seite in der Frankfurter Ausstellung Jacopo Bassanos „Bildnis eines Geharnischten“ (um 1560) platziert ist. Foto: Städel
15.02.2019

Tizian: der Kunst-Titan - Spannender Vortrag im PZ-Forum

Pforzheim. Es ist ein faszinierendes Leben, das Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch in ihrem Vortrag im ausverkauften PZ-Forum aufblättert: Tiziano Vecellio, wohl 1488 im Dolomitendorf Pieve di Cadore geboren, wird über 70 Jahre lang nicht nur die venezianische Kunst bestimmen. Eindrucksvoll lässt sich das in der bis 26. Mai dauernden Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“ im Frankfurter Städel erleben.

Der Erneuerer

Schon zu Lebzeiten Tizians ist der Literat Pietro Aretino voll es Lobs angesichts der „heroischen Majestät“ der Figuren sowie der „Wärme, Bewegtheit und pulsierenden Lebendigkeit der Natur“, die Tizians Werke durchströmen. Dramatische Inszenierungen in Kirchenbildern, asymmetrische Kompositionen, Motive, die den Bildraum zu sprengen scheinen, Landschaften, die zu Stimmungsträgern werden – Tizian überflügelt schnell seinen berühmten Lehrer Giovanni Bellini, in dessen Werkstatt er als Zehnjähriger eintritt. Und er strotzt schon früh vor Selbstbewusstsein: „In Anbetracht der Tatsache, dass ich heute unter die gezählt werde, die in der Malerei als Meister gelten, in Anbetracht der Tatsache, dass ich – sowohl vom Papst und anderen hohen Herren zum wiederholten Male aufgefordert, in ihre Dienste zu treten – nichts sehnlicher wünsche, als unserer ruhmreichen Stadt ein Zeugnis meiner Kunst zu geben …“ – mit diesen Zeilen eines Briefs bewirbt sich der 25-Jährige um den wichtigsten Auftrag in Venedig und wird – nur drei Jahre später – zum Ratsmaler ernannt.

Der Farbmagier

Wer in Frankfurt Tizians Gemälde „Tarquinius und Lucretia“ (um 1570–1575) betrachtet, in dem sich die standhafte Schöne gegen den mit einem Messer drohenden Wüstling verteidigt, wird sofort an die Impressionisten denken: Kraftvolle Farben, der deutlich sichtbare Pinselstrich, die in Bewegung geratenen Konturen und die changierenden Farbtöne beweisen die Meisterschaft, wie Tizian hier mit dem Unfertigen spielt. Fast greifbar scheinen in vielen Gemälden die Stoffe und Texturen. Und wie großartig er die Wirkung von Licht und Farbe einsetzt, beweist unter anderem das prächtige Harnisch des Markgrafen von Pescara, den er 1533 porträtiert. In seinen letzten Lebensjahren ändert sich die Palette, reizt er die Möglichkeiten des dunklen, fast monochromen Kolorits bis an die Grenzen aus.

Der Frauenliebhaber

Die Biografen bezeichnen den Künstler als „jungen Mann, der Lautenspiel und Liebschaften, Geselligkeit und Tanz ebenso zugetan war wie der Malerei“. Zwar hat Tizian wenige weibliche Porträts geschaffen, dafür aber umso mehr mythologische, allegorische und ideale Frauengestalten: „Sinnbetörende Bilder weiblicher Schönheit mit lasziv entblößtem Körper“, schildert Claudia Baumbusch.

Der Europäer

Tizian weiß, der sicherste Weg zu Ansehen und Reichtum, führt über die potenten Mäzene des Festlands: die Herzöge von Ferrara, Mantua und Urbino. Dabei verlässt er Venedig nur ungern. Aber er muss reisen: mehrfach nach Augsburg zu Karl V., zu den Päpsten in Rom und nach Madrid zu seinem wichtigen Sammler, Prinz Philipp II., der ihm noch im hohen Alter mit Teilen der Ausstattung des Kloster El Escorial beauftragt.

Die Kunstfahrt mit Claudia Baumbusch nach Frankfurt findet am Samstag, 2. März, statt. Buchung und Infos beim Pforzheimer Reisebüro, Telefon (0 72 31) 3 02–2 12.