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Sir Tom Jones liefert auch in Ludwigsburg eine packende Show mit seinen Welthits.  Foto: Parsons (archiv) 

Tom Jones reißt seine Fans im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses mit

Ludwigsburg. Der „Tiger“ faucht noch, zeigt weiterhin die Krallen und ist bissig wie eh und je. Und das mit 79 Jahren! Tom Jones reißt im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses die 3500 begeisterten überwiegend älteren Besucher von Anfang an mit. Der Herzensbrecher mit der immer noch voluminösen Stimme bespielt fast alle gängigen Genres: Rock and Roll, Blues, Soul, Jazz, Soul, Boogie Woogie…

Auch die Begleitumstände sind perfekt: Erstklassiger Sound – jedes gesungene und gesprochene Wort ist einwandfrei zu verstehen – passende Lautstärke, wechselnde hochkarätige Musiker an seiner Seite, die für die Dire Straits, ZZ Top und Joe Cocker schon einheizten. Der Meister selbst ist von der barocken Kulisse ebenfalls angetan: „Das ist ein schöner Ort. Ich möchte dieses Haus gerne haben.“

Als Sir Thomas John Woodward, wie er mit vollem Namen heißt, John Lee Hookers „Burning Hell“ zum Einstieg anstimmt, bricht sich gleich seine ganze Leidenschaft und sein ungebrochenes Temperament Bahn, mit dem er einst in jungen Jahren die Mädchen zum Kreischen animierte. Im Hintergrund auf der Videoleinwand ist passend zur „Brennenden Hölle“ ein Flammen-Inferno zu erleben.

Schon beim sechsten der 23 Titel, „Sex Bomb“, hält es niemanden mehr auf den Stühlen, und beim elften Song „Delilah“ vereint sich seine Zuhörerschaft zu einem großen Chor. Wobei „Sex Bomb“ in ein ganz neues Kleid gehüllt wird: der erste Teil des Lieds einfühlend langsam, in sphärische Instrumentalmusik wohlig eingebettet, der zweite Teil forsch und flott, wie man es eben kennt.

Der große Künstler aus Wales scheut sich auch nicht, andere Große des Musikgeschäfts zu covern — sei es Leonard Cohens „Tower Of Song“, Princes „Kiss“, Louis Armstrongs „What A Wonderful World“ oder Joe Cockers „You Can Leave Your Hat On“, der seinerseits das Werk von Randy Newmann entliehen hatte. Stets gelingt es Jones dabei, den Titeln seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Klar, dass sein erster Welterfolg aus dem Jahre 1965, „It’s Not Unusal“ sowie Ohrwürmer wie „What’s New Pussycat?“ und „Green, Green Grass of Home“ nicht fehlen dürfen.

Nach eindreiviertel Stunden nonstop und drei Zugaben vergisst Tom Jones nach seinem zweiten und zugleich letzten diesjährigen Deutschland-Auftritt nicht, seinen Fans zuzurufen: „Ich freue mich, Euch wiederzusehen.“ Für einen 79-Jährigen eine zuversichtliche und bemerkenswerte Aussage.