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In der Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ in Mannheim ist auch die Replik einer Tumba von Papst Clemens II. mit dessen Figur auf dem Deckel zu sehen. Foto: dpa
In der Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ in Mannheim ist auch die Replik einer Tumba von Papst Clemens II. mit dessen Figur auf dem Deckel zu sehen. Foto: dpa
07.06.2017

Tragik und Triumph der Päpste: Große Ausstellung in Mannheim wartet mit über 330 Exponaten au

Mannheim. Bevor Katholiken und Protestanten getrennte Wege gingen, verband sie 1500 Jahre gemeinsamer Geschichte. Dieser widmet sich anlässlich des 500. Reformationsjubiläums die kulturhistorische Sonderausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Weltweit erstmalig beleuchtet eine Ausstellung die faszinierende Entwicklung des Papsttums – samt Sternstunden und Niederlagen des Vatikans.

Mit hochkarätigen Leihgaben spannt die Schau den Bogen von den Anfängen in der Antike über das Mittelalter bis an die Tore der Reformation, von Petrus bis zu den Renaissancepäpsten.

Seit nahezu 2000 Jahren nehmen die Päpste vom Stuhle Petri aus Einfluss auf die Geschicke Europas und der Welt. Wie stieg das Christentum von einer kleinen Gemeinschaft im Osten des Römischen Reiches zu einer der großen Weltreligionen auf? Die wichtigsten Phasen werden in der Präsentation am Beispiel herausragender Päpste und ihres Wirkens vorgestellt – auf rund 2500 Quadratmetern mit über 330 Kunst- und Kulturschätzen. Darunter befinden sich seltene Zeugnisse der frühen Kirche, kostbare Textilien, reich illustrierte mittelalterliche Schriften wie der Papst-Kaiser-Rotulus, der in der Ausstellung erstmals in seiner vollen Länge von fast sieben Metern zu bewundern ist, sowie prachtvolle Papstbildnisse – von Tizian bis Francis Bacon.

Auf drei Stockwerken sind einzigartige Schriften und goldbestickte Seidengewänder sowie die Nachbildung des Sarkophags vom einzigen erhaltenen Papstgrab nördlich der Alpen zu sehen: von Clemens II. aus dem Bamberger Dom. Ein Paar der berühmten roten Schuhe des Pontifex wird in Mannheim ebenfalls gezeigt (Größe 42).

Die Schau bietet aber nicht nur eine Fülle an hochkarätigen Originalen aus 1500 Jahren Kulturgeschichte, sondern lockt mit aufwendigen Inszenierungen und speziell für die Ausstellung erstellten filmischen Rekonstruktionen. Drei Filme illustrieren die Entwicklung Roms von der Antike bis zur Renaissance und zeigen eindrucksvoll, wie eng das Wachstum der Stadt am Tiber mit dem Schicksal der Päpste verbunden war. Ein besonderer Höhepunkt ist eine Rekonstruktion, die den Besuchern die Gelegenheit bietet, einen Rundgang in der monumentalen Basilika St. Peter zu unternehmen, die im vierten Jahrhundert an der Stelle des heutigen Petersdoms erbaut wurde. Die Geschichte des Papsttums verläuft keineswegs geradlinig. Die Anfänge der jungen Kirche in der Antike waren bestimmt vom Ringen ums Überleben. Ein wichtiger Einschnitt war die Anerkennung durch Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert, mit der der Aufstieg des Christentums seinen Anfang nahm. Es dauerte aber fast ein Jahrtausend, bis sich das Papsttum zu einer anerkannten, zentralen Instanz in Europa entwickelte. Erst im Hochmittelalter, im 11. bis 13. Jahrhundert, war der Einfluss der Päpste auf seinem Höhepunkt. Nicht nur religiöse, moralische und kirchenrechtliche Normen Roms durchdrangen weite Teile Europas, sondern auch die politische Formung Europas erfolgte in hohem Maße unter Beteiligung der Päpste. Das päpstliche Gericht wurde zu einer Art oberstem Gerichtshof, und die Wissenschaften und Universitäten wurden von den Päpsten in beispielloser Weise gefördert.

Das 14. und frühe 15. Jahrhundert war geprägt vom rapiden Niedergang des päpstlichen Ansehens. Das Konzil als oberstes Organ der Kirche schien sich durchzusetzen. Doch noch einmal machten die Päpste der Renaissance in einem unglaublichen Kraftakt Rom zum glänzenden Mittelpunkt päpstlicher Autorität, bevor reformatorische Strömungen und politische Interessen die Einheit der lateinischen Welt im Sinne einer von Rom „gesteuerten“ Welt um 1530 auseinanderbrechen ließen.