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Im Alter von 90 Jahren ist Dario Fo, hier mit seinem Roman „Die Tochter des Papstes“, in Mailand gestorben. Bazzi
Im Alter von 90 Jahren ist Dario Fo, hier mit seinem Roman „Die Tochter des Papstes“, in Mailand gestorben. Bazzi
14.10.2016

Trauer um Nobelpreisträger Dario Fo

Mailand. Er bezeichnete sich selbst als Clown – und erhielt den Literaturnobelpreis. „Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst“, sagte Dario Fo, als er 1997 die literarische Auszeichnung erhielt. Mit seinem Sprachwitz, als Possenreißer, als Satiriker, als Pantomime wurde Fo berühmt. Im Alter von 90 Jahren ist der italienische Autor und Theatermacher nun gestorben. Fo war der Ansicht, das jede Macht nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott fürchte.

Geboren am 24. März 1926 in der norditalienischen Gemeinde Sangiano nahe dem Lago Maggiore, wuchs Fo zwischen Fischern, Schmugglern und Geschichtenerzählern auf. Von ihnen lernte er das Schauspielern und Erzählen lieben. Später im Theater verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und redegewaltige Trunkenbolde. Sein außergewöhnliches Talent und seine politische und soziale Theaterarbeit wurden in Stockholm mit dem Nobelpreis gewürdigt – und die versammelte Literaturwelt staunte. Das Komitee aber hatte gute Gründe und bezeichnete ihn als Schriftsteller, „der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen wieder aufrichtet“. Dafür zahlte er einen Preis: Fo wurde rund 40-mal wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht geladen. Mehrmals wurde er gleich von der Bühne abgeführt.

Über 70 Stücke hat er mit seiner 2013 gestorbenen Frau Franca Rame geschrieben. Über 30 Werke Fos wurden ins Deutsche übersetzt, darunter „Die offene Zweierbeziehung“ (1983), „Sex? – Aber mit Vergnügen!“ (1994), „Der Teufel mit den Titten“ (1997) – und die Titel verraten, wie schmunzelnd, beißend und obszön es da manchmal zugeht. Ob Mafia oder Waffenindustrie, Kirchenstaat oder Umweltsünden – Fo hatte sie alle im Visier.

Politik war stets zentral in seinem Leben, die Provokation war sein täglich Brot. Selbst ein Schlaganfall im Sommer 1995 brachte ihn nicht zum Schweigen: 2006 kandidierte er zum zweiten Mal – vergeblich – für das Amt des Bürgermeisters in Mailand. Als Rebell präsentierte sich Fo auch 2012, als sein Theater- und Buchprojekt „Picasso desnudo“ erschien. Er gestand, dass er dafür zusammen mit seiner Malschule rund 80 Werke des spanischen Künstlers gefälscht hatte, um so Zwist mit Picassos Erben aus dem Weg zu gehen. Denn als Picassos Sohn übertriebene Summen für die Bildrechte gefordert habe, habe er sich gedacht: „Dann mache ich eben falsche Picassos.“