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Am 24. Dezember ist Wolfgang Luhm gestorben. Foto: Privat
Am 24. Dezember ist Wolfgang Luhm gestorben. Foto: Privat
30.12.2016

Trauer um Pforzheimer Schlagzeuger Wolfgang Luhm: Musiker, Lehrer und Organisator

Pforzheim. Das Leben vieler Musiker in Pforzheim und dem Enzkreis wäre wohl anders verlaufen, wenn es Wolfgang Luhm nicht gegeben hätte. Als Pauker war er jahrzehntelang der einzige Perkussionist am Theater Pforzheim, als Lehrer hat er hunderte Schüler am Instrument unterrichtet und das Städtische Orchester – die heutige Badische Philharmonie – auch sonst geprägt. Im Alter von 87 Jahren ist Luhm am Heiligen Abend verstorben.

Wenn man mit denen spricht, die er geprägt hat, ist da ein großer Respekt für den Musiker Luhm, der wie wenige dem Pforzheimer Orchester seinen Stempel aufgedrückt hat. Doch dass Luhm in der Goldstadt landen würde, war nicht abzusehen.

Geboren wird er am 13. November 1929 in Pommern in eine musikalische Familie. Der Vater ist Pianist – und wird 1940 nach Stuttgart versetzt. Luhm geht mit und wechselt 1944 auf die Heeresmusikschule nach Frankfurt. Dort gilt es nicht nur Schöngeistiges zu lernen, sondern auch Handfestes: Schießen in den Zeiten des Kriegs. Der fordert seinen Tribut.

Die Schule wird zerschossen und nach Bückeburg verlegt. Bis zuletzt glaubt man dort im Drill der militärischen Umgebung an den Endsieg. Der kommt nicht. 1945 werden die Schüler entlassen. Luhm geht nach Stuttgart zurück – und beginnt eine Lehre in einem Elektrofachgeschäft. Aber der Vater kehrt heim aus dem Krieg und drängt den Sohn, doch weiterzumachen mit der musikalischen Ausbildung.

Luhm geht zu den „Stadtpfeifern“ nach Helmstedt, dann zurück nach Stuttgart. Hier spielt er Tanzmusik, vor allem für die amerikanischen Besatzungssoldaten und absolviert ein Studium an der Musikhochschule. Nach dem Abschluss kommt er nach Pforzheim – und bleibt.

Seine Frau Greta findet er unter den Ersten Geigen; in dem Orchester, das er erst im Jahr 1993 in Richtung Rente verlässt, ihm aber dennoch treu bleibt. Denn er hat es nicht nur als Musiker geprägt.

Sein Schüler und Nachfolger Roland Härdtner kommt ins Nachdenken, wenn er all die Aufgaben nennt, die Luhm ausgefüllt hat. Er hat als Orchesterinspektor und Notenwart gewirkt, als Orchestervorstand die Interessen der Musiker vertreten – und als Orchesterwart eigenständig die Pulte aufgebaut im Graben. Und auch als Lehrer hat Luhm Spuren hinterlassen.

„Er hat Hundertschaften von Schülern unterrichtet in Stadt und Region“, sagt Härdtner, „bei Musikvereinen, Musikschulen und auch privat.“ Wie war er so als Lehrer? So ganz die preußische Herkunft konnte Luhm laut Härdtner nicht verleugnen. „Er hat ein strenges Regiment geführt und konnte sich gut durchsetzen.“ Genau richtig sei das gewesen für Härdtner, wenn man sich als Musiker durch die Pubertät kämpft. Und wer sich angestrengt habe, dem habe Luhm vieles ermöglicht. „Ich durfte schon mit 14 Jahren im Orchestergraben sitzen und Aufführungen mitspielen“, sagt Härdtner. „Bei Tosca, noch im alten Theater im Osterfeld.“ Denn für die Stelle in Pforzheim war Luhm wie gemacht. Hier, an einem kleinen Haus mit kleinem Orchester, muss man eben erfinderisch sein. Wenn die Partitur zum Beispiel drei Perkussionisten verlangt – und man trotzdem der Einzige ist. „Von ihm habe ich gelernt, Stimmen zusammenzuziehen. So dass man auch alleine Partituren realisieren kann, die eigentlich für mehrere Musiker gedacht sind – ohne dass man den Ersatz bemerkt.“ Wenn Luhm krank gewesen sei, habe man als Stellvertretung nicht bloß einen Musiker holen müssen, sondern zwei. „Er war eine Institution“, sagt Härdtner. So bleibt er in Erinnerung.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 5. Januar 2017, um 15.30 Uhr auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof statt.