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Neben dem „Traumschiff“ hat Wolfgang Rademann auch die „Schwarzwaldklinik“ produziert. Foto: Ressing
Neben dem „Traumschiff“ hat Wolfgang Rademann auch die „Schwarzwaldklinik“ produziert. Foto: Ressing
02.02.2016

Trauer um Traumschiff-Erfinder Wolfgang Rademann

Berlin. Am 12. November vergangenen Jahres hielten die Ehrengäste der Bambi-Gala in Berlin und gut 3,5 Millionen TV-Zuschauer den Atem an. Wolfgang Rademanns Lebensgefährtin, die Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek, nahm anstelle des Erfolgsproduzenten die Trophäe fürs Lebenswerk entgegen. „Seien sie nicht enttäuscht, dass dieser geliebte Mensch heute nicht hier sein kann“, sagte die 84-Jährige über ihren Freund. Er war damals bereits schwer erkrankt. Am Sonntag starb Rademann 81-jährig in Berlin.

Kurz nach der Bambi-Gala sagte der TV-Produzent, er habe die Verleihung im Fernsehen gesehen und sei ganz stolz gewesen, „wie meine Kollegen über mich gesprochen haben“. Er äußerte noch die Hoffnung, möglichst rasch wieder zu Kräften zu kommen. „Es geht mir jeden Tag besser. Ich kann zwar immer noch nicht laufen und bewege mich derzeit im Rollstuhl. Aber ich bin mir sicher, in ein paar Wochen bin ich wieder fit, und es spricht kein Mensch mehr davon.“

Bedürfnis nach heiler Welt

Rademann steht für ein wichtiges Stück deutscher Fernsehgeschichte. Mit dem Dauerbrenner „Das Traumschiff“ und der Krankenhausserie „Die Schwarzwaldklinik“ transportierte der Produzent das Bedürfnis vieler Millionen Menschen nach heiler Welt ins Fernsehen der 1980er-Jahre. Einschaltquoten von zum Teil mehr als 20 Millionen Zuschauern lieferten den Beweis, dass Rademann mit dem seinem Gespür für den Geschmack des Publikums goldrichtig lag.

Dabei war nicht alles, wo Rademann drauf stand, auch wirklich seine Idee. Augenzwinkernd erzählte der Berliner, der sich 1958 vom Ostteil der Stadt in den Westen absetzte und dort als Lokalreporter arbeitete, immer wieder gerne, dass die Vorlage für sein „Traumschiff“ (ab 1981 auf Sendung) die DDR-Serie „Zur See“ war. Der Drang nach weiter Ferne, den Problemen des realen Lebens entfleuchend, verband beide Teile Deutschlands.

Dass seine Erfindungen massentauglich, in den Augen der Kritiker damit aber manchmal zu trivial erschienen, störte den Nichtraucher und passionierten Knoblauch-Konsumenten nicht. Zunehmend haderte Rademann jedoch gerade beim „Traumschiff“ damit, dass ihm die großen Ziele ausgingen. „Mir geht die Welt aus. Das ist schon ein Riesen-Problem, eigentlich mein größtes“, sagte er vor zwei Jahren. „Ich habe nicht mehr viel auf Lager.“

Über die mögliche Fortsetzung seines Lebenswerks machte sich Rademann dagegen schon vor gut zehn Jahren keine Illusionen. Auf die Frage, wen er denn so als möglichen Nachfolger für sich sehe, antwortete er: „Ist ja unmöglich. Ich bin ein Einmannbetrieb. Wenn ich nicht mehr da bin, ist der Fall erledigt.“