nach oben
Der Dirigent Kurt Masur wusste die Menschen nicht nur am Pult zu begeistern.  Grubitzsch
Der Dirigent Kurt Masur wusste die Menschen nicht nur am Pult zu begeistern. Grubitzsch
21.12.2015

Trauer um den Dirigenten Kurt Masur

Berlin/New York. Trauer um einen großen Maestro: Der Dirigent Kurt Masur ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Als Weltstar am Pult prägte Masur als langjähriger Orchesterchef in Leipzig und in New York jahrzehntelang die klassische Musik.

Zugleich gehörte er zu den führenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution in der DDR. Politik und Kultur würdigten ihn als einen herausragenden Dirigenten und großen Deutschen. „Wir trauern um einen brillanten Musiker, einen großen Humanisten und einen engagierten Kosmopoliten“, erklärte Bundespräsident Joachim Gauck.

Masur starb am frühen Samstagmorgen in einem Krankenhaus in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut. Die genaue Todesursache blieb zunächst unklar. Der Dirigent litt seit Jahren an der Parkinson-Krankheit. In den vergangenen Jahren war er mehrfach schwer gestürzt: Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt. Ein Jahr später stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte. Nach einer längeren Pause dirigierte er im September 2013 erstmals wieder ein Konzert: Auf der Insel Usedom wurde er mit dem Europäischen Kulturpreis ausgezeichnet.

Masur, am 18. Juli 1927 in Brieg (Schlesien) geboren, wurde nach Engagements unter anderem in Halle, Erfurt und Dresden 1970 als Gewandhauskapellmeister nach Leipzig berufen. Er stand damit in einer Reihe mit Vorgängern wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter. Masur avancierte zu einem der wichtigsten Dirigenten in der DDR. Er hatte wesentlichen Anteil am Bau des 1981 eröffneten Neuen Gewandhauses, des einzigen Konzerthaus-Neubaus in der DDR.

Zum Mythos wurde er durch seine Rolle in der friedlichen Revolution 1989: Masur gehörte am 9. Oktober 1989 zu den Unterzeichnern des „Aufrufs der Leipziger 6“ zur Gewaltlosigkeit bei der entscheidenden Montagsdemonstration, den er auch verlas. Gauck würdigte Masurs Rolle: „Viele Menschen werden niemals vergessen, wie er sich im Herbst 1989 für grundlegende Veränderungen in der DDR, für die Freiheit der Menschen und die Demokratie eingesetzt hat.“

Bis ins Jahr 1996 war Kurt Masur dann Kapellmeister in Leipzig, danach Ehrendirigent. „Wir verlieren ein musikalisches Genie, einen faszinierenden Dirigenten von erstem Weltrang und einen großen Humanisten“, erklärte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).