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In faszinierende Klangwelten entführen Johannes Künzler (rechts am Kutamo) und Herbert Nofer (Perkussion).  Foto: Molnar 

Traumreise in exotische Welten: „Sphärenzauber“-Konzert im Schloss Neuenbürg

Neuenbürg. Treiben lassen heißt das Zauberwort. Denn wer sich auf die außergewöhnlichen Klänge, die Johannes Künzler und Herbert Nofer im Fürstensaal von Schloss Neuenbürg erzeugen, einlässt, der entdeckt Neues, wird mitgenommen in ferne Welten.

Mit „Sphärenzauber“ ist denn auch das stimmungsvoll beleuchtete Konzert überschrieben, zu dem die beiden Künstler ein Riesenarsenal an exotischen Instrumenten aufgebaut haben – verbunden mit vielen Kabeln, Mikrofonen, Digitalpult, Sound-Apps und Synthesizern. So mischen sich eine Menge an elektronischen Effekten unter die archaischen Obertongesänge und Didgeridoo-Laute von Johannes Künzler. Manchmal vielleicht etwas zu laut und künstlich, in allem aber beeindruckend in seinem Reichtum. Zu Beginn lässt Künzler die arabische Tanbura in einer langsamen Ostinatoschleife erklingen. Man fühlt sich gleich in orientalische Klangwelten versetzt. Der bekannte Karlsruher Perkussionist „Bhadra“ alias Herbert Nofer, mit dem der Gräfenhäuser seit einem Jahr zusammenspielt, steigt mit etwas anderen Trommelklängen ein. Diese erzeugt er an einem Elektronik-Perkussion-Pad, in dem eine Vielzahl an Sounds wie etwa „Oriental Wind“ programmiert und in ihrer Tonhöhe veränderbar sind. „Wir sind über die Brücke in andere Sphären gegangen, nun geht es in einen Palast“, sagt Johannes Künzler. Und tatsächlich strömt ein heller, kalter Glitzerklang durch die Schlosskulisse, den Bhadra seinen Synthesizern entlockt. Zum Didgeridoo trommelt er dann auf echten Djemben. Immer schneller werden die Rhythmen, von denen das Duo an diesem Abend eine Menge zu bieten hat.

In Sessions sind ihre arrangierten Stücke entstanden, die sich dennoch frei entwickeln – in einer Art gegenseitigem Zuhören und Reagieren. So steigert Johannes Künzler beispielsweise leise Gongschläge in zunehmender Dichte und Dynamik, während Herbert Nofer dazu säuselnde, wabernde und andere schräge Töne erzeugt. Ähnlich begleitet Nofer den Gesang von Künzler an der großen Rahmentrommel. Meist singt dieser in einer selbsterfundenen Traumsprache, manchmal aber auch auf Deutsch, Englisch, Sanskrit (einer alten indischen Sprache) oder Djoula (einer westafrikanischen Sprache).

Bei „Vision“ kniet er sich tief hinab zum Saiteninstrument Kutamo, das Monochord, Tanbura und japanische Koto vereint. Schade nur, dass dieser feine Klang von elektronischen Effekten ein wenig übertönt wird.

Als Zugabe holt Künzler noch seine philippinische Maultrommel hervor und bereitet mit Nofer ein mitreißendes Finale.