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Fáilte: Christian Roch, Christina Sogl und Reiner Sogl (von links).  Foto: Frommer 

Trio „Fáilte“ bringt irische Songs in die ausverkaufte Theaterschachtel Neuhausen

Neuhausen. Endlich wieder irische Live-Musik! Alle Fans scheinen längst geradezu ausgehungert. Ihre Mundwinkel zeigen schlagartig nach oben, als das Fáilte-Konzert in der ausverkauften Theaterschachtel beginnt. Ein erstes Set aus drei Jigs – „Emmet’s Hedgehog“, „Grappa Groove“ und „Nina’s“ – gibt den mitreißenden Drive schon mal vor.

Die zunächst dominante Fiddle Christina Sogls wird vom wieselflinken Spiel auf Christian Rochs Uilleann Pipes assistiert und vom Gitarrenspiel Reiner Sogls rhythmisch flankiert. Jedem im Saal spricht Christian Roch geradezu aus der Seele, als er unter erstem Beifall verkündet: „Wir wollen ein bisschen Fernweh ausleben“. Irish Folk mag sich instrumental heiter ausdrücken, ihm liegt aber immer, wie beispielsweise auch dem portugiesischen Fado, ein unverwechselbares Lebensgefühl, eine Art große Sehnsucht zu Grunde. In den Texten der irischen Songs geht es sehr oft um Liebe, Treuebeweise oder Verrat, mitunter auch um Whiskey, Schiffskatastrophen und Tod. Apropos Treuebeweis: Um den geht es im von Christina Sogl vorgetragenen Lied „Silvy, Silvy“, das Roch am Akkordeon untermalt. Kurz vor der Pause folgt ein – vielleicht „das“ – musikalische Highlight des Abends: Mit dem „Air“ (einem nicht auf einen Tanz anspielendes, liedartiges Instrumentalstück) „Dark Lady Of The Glenn“ zeigt Christian Roch an den Uilleann Pipes Außergewöhnliches: Mit dem rechten Handballen – die Finger sind dabei fast so extrem gespreizt wie beim Stride-Pianospiel – bedient er zusätzlich die Klappen der drei Regulatoren, was das Klangvolumen seines Dudelsacks vervielfacht: Ein wuchtiger Effekt, den die Popmusik nur mit der Technik des „Overdubbing“ zu erzielen weiß. Roch beschreibt sein fingerfertiges Spiel humorvoll als „Ringkampf mit einem Oktopus“. Mit drei lebhaften Polkas klingt das mitreißende erste Set unter Beifall aus. In der zweiten Konzerthälfte wird die bewährte Mischung aus Jigs, Reels und Balladen um einen Walzer – Christian Rochs Komposition „Black Belle“ – ergänzt. Viel Applaus und mehrere Zugaben, drei Reels – „Lads Of Laois“, „Sweeney’s Buttermilk“ und „Trip To Miriam’s“ – sowie ein Air „ A Day And An Age“ – beschließen den höchst unterhaltsamen Konzertabend.

Absagen sind mittlerweile Corona-Alltag

Privatinitiative und Ehrenamt sind schon immer die tragenden Säulen der „Theaterschachtel“ in Neuhausen. Aber natürlich machen die Restriktionen der Pandemie die Arbeit von Anne und Matthias von der Vring alles andere als einfacher; (die PZ berichtete).

Im Gespräch mit der Pforzheimer Zeituig lässt Matthias von der Vring anklingen, wie schwierig die aktuelle Situation für die kleine Spielstätte und ihre Betreiber ist: „Zuletzt haben wir Unterstützung durch die ‚Neustarthilfe‘ bekommen, sagt er – und betont auch die tatkräftige Hilfe durch den Förderverein der Theaterschachtel. Dennoch müssen gerade in den vergangenen Wochen immer wieder Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Seit Sonntag gibt es ein Kindertheaterstück von Berenike Felger mit dem Titel ‚Eins, zwei, drei, vier ECKSTEIN alles muss versteckt sein‘. Und die nächste Theatervorstellung ist dann am 12. März unsere Premiere ‚Zickenalarm – ein Heimatabend‘ mit dem Künstlerbund Theaterschachtel“.