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Deutsch-französische Lesung, auf der Suche nach der legendären Gibson-Gitarre: Grégoire Hervier (links) und Wido Weber im Musikhaus Schlaile. Foto: Roller
Deutsch-französische Lesung, auf der Suche nach der legendären Gibson-Gitarre: Grégoire Hervier (links) und Wido Weber im Musikhaus Schlaile. Foto: Roller
30.10.2017

Trip durch die Rockgeschichte: Lesung von Grégoire Hervier

Pforzheim. Als Aushilfe jobbt der Journalist und Musiker Thomas Dupré in einem Pariser Laden für Vintage-Gitarren und haucht den alten Instrumenten neues Leben ein – bis er eines Tages einen ungewöhnlichen Auftrag von einem schottischen Lord erhält: Er soll die „Gibson Moderne“ von 1957 aufstöbern, die wohl legendärste aller Elektrogitarren. Wohin den Mittzwanziger seine Reise führt und auf welche Geheimnisse er bei seiner Suche stößt, erfährt man in „Vintage“, dem neuen Roman von Grégoire Hervier.

Es ist das dritte Buch des Franzosen und das erste, das in deutscher Übersetzung erschienen ist. Bei einer vom Musikhaus Schlaile und Uwe Mumms Buchhandlung organisierten Lesung stellt der Franzose sein Buch am Freitagabend vor. Wido Weber übersetzt und führt durch das Programm.

Geschickt lassen die beiden ihre Zuhörer teilhaben an den aus der Ich-Perspektive geschilderten Erlebnissen und Entdeckungen des Protagonisten Thomas Dupré, dessen Suche nach der „Gibson Moderne“ ihn über Australien in die USA führt. Eine abenteuerliche Reise voller Überraschungen. In Memphis trifft er den abgehalfterten Elvis-Imitator Bruce, der zwar eine „Gibson Moderne“ besitzt, aber eben nicht das Original von 1957, sondern eine Fälschung.

Die legendäre Gibson zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Sie ist eine Gitarre, deren Mythos nicht nur den fiktiven Protagonisten in Herviers Roman beschäftigt: Auch in der Realität wird schon lange gerätselt, ob es das Instrument im Jahr 1957 als Prototyp wirklich gegeben haben könnte und falls ja, wo es sich heute befindet. Hervier versteht es hervorragend, Fakten und Fiktion so zu vermischen, dass einem der Unterschied nicht mehr auffällt. Überhaupt ist sein Roman gespickt mit Informationen über Musiker, Instrumente und Songs.

So wird die Lektüre zu einer Reise durch die Geschichte des Rock’n’Rolls. Da passt es hervorragend, dass er ihn bei der Lesung am Freitagabend inmitten zahlreicher Instrumente im Musikhaus Schlaile vorträgt. Fünf Jahre hat es vom Beginn der Recherche bis zum fertigen Buch gebraucht. Und Hervier hat schon die nächste Idee für einen Roman zum Thema Musik. Genaueres will er aber noch nicht verraten. Nico Roller

Grégoire Hervier: „Vintage“, Roman, aus dem Französischen von Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs, Zürich (Diogenes) 2017.