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Maik (Tristan Göbel, links) und Tschick (Anand Batbileg) ist es irgendwann zu stickig in Berlin. Und dann fahren sie einfach los – in einem gestohlenen Auto. Lago
Maik (Tristan Göbel, links) und Tschick (Anand Batbileg) ist es irgendwann zu stickig in Berlin. Und dann fahren sie einfach los – in einem gestohlenen Auto. Lago
15.09.2016

„Tschick“ kommt ins Kino

Das Warten hat ein Ende: Sechs Jahre nach dem Erscheinen von Wolfgang Herrndorfs fabelhaftem Abenteuerroman „Tschick“ kommt jetzt die Verfilmung in die Kinos. Es ist der konsequente Endpunkt einer beispiellosen Begeisterung.

Über zwei Millionen haben das Buch gelesen, in der Saison 2014/2015 war die Theaterfassung das meistinszenierte Werk an deutschen Bühnen – und auch in Pforzheim gab es am Theater Tschick-Vorstellungen. Nun der Film. Nach einem Drehbuch von Lars Hubrich, einem Freund und Vertrauten des 2013 verstorbenen Autors Herrndorf, hat der Hamburger Regisseur Fatih Akin („Gegen die Wand“) die Odyssee zweier jugendlicher Außenseiter durch den wilden Osten kongenial verfilmt.

In keiner Sequenz driftet dieses kurzweilige Roadmovie in seichte Comedy-Gefilde ab. Stattdessen ist es überzeugend gelungen, den Geist des preisgekrönten Romans in das Medium Film zu übertragen, ohne sich sklavisch an die Vorlage zu klammern. Fatih Akin erzählt die Geschichte aus der Perspektive des 14-jährigen Maik Klingenberg (Tristan Göbel), dessen alkoholkranke Mutter (Anja Schneider) sich mal wieder in die Entzugsklinik verabschiedet hat, während Maiks Vater (Uwe Bohm) mit Freundin in Urlaub fährt.

Die großen Ferien beginnen, und da kommt dann der seltsame neue Klassenkamerad Tschick (Anand Batbileg) ganz recht. Der Russlanddeutsche steht eines Tages mit einem schrottreifen Lada vor der Tür, und bald befinden sich die Jungs aus Berlin auf großer Fahrt durch den endlosen Sommer. Ab jetzt tauchen Erwachsene nur noch als Randfiguren auf. Trottelige Dorfpolizisten, Öko-Muttis oder nervige Lehrer.

Fatih Akins gut gelauntes Roadmovie feiert ganz unaufdringlich den Nonkonformismus. Das schwankende Lebensgefühl der beiden Ausreißer wird feinfühlig und ohne Anbiederung entfaltet. Dabei erweisen sich die Hauptdarsteller als Volltreffer: Tristan Göbel spielt den schüchternen Maik mit langer Grunge-Frisur schön zurückgenommen, während Anand Batbileg als Tschick so richtig den Schalk im Nacken hat. Der Bursche kann kein Wässerchen trüben. Alle Autoritätspersonen dieser Welt scheinen ihm schnuppe zu sein. Ein Huckleberry Finn aus Berlin-Marzahn.

Am Ende trennen sich ihre Wege, aber für Maik ist nichts mehr so wie früher. Mit dem Polizeiwagen wird er in die Schule chauffiert, er nennt den Polizisten cool „Officer“. Seine lange Mähne weht im Wind, als er den Schulhof betritt, und die Mädchen kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

In Pforzheim ist der Film im Cineplex 3 zu sehen.