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01.05.2008

Über den Luxus der kleinen Hallen

Peter Maffay (58) gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Rockmusikern. Zwölf Nummer-Eins-Alben stehen auf seinem Konto. Im Interview mit PZ-Mitarbeiterin Dorit Koch sprach mit Maffay über seine neue CD und die Tournee, die ihn auch nach Pforzheim führt.

Pforzheimer Zeitung: Sie stecken mitten in den Arbeiten zu Ihrem neuen Album. Was erwartet die Fans auf der CD?
Peter Maffay: Es wird ein sehr persönliches Album und nach drei Jahren mal wieder eine ganz „normale“ Maffay-CD. Mein dazwischen erschienenes Album „Begegnungen- Eine Allianz für Kinder“ war ein Projekt, für das ich mit Musikern aus anderen Ländern zusammengearbeitet habe. Aber seit „Laut und Leise“ hat sich einiges an Liedern und Texten angesammelt, deshalb ist es an der Zeit für etwas Neues. Es wird mal wieder Zeit für Maffay pur.

PZ: Fließt in die Texte Ihrer Lieder viel von Ihnen selbst ein oder vertrauen Sie in diesem Punkt ganz professionellen Textern? Welchen Einfluss haben Sie?
Maffay: Jeden! Es gibt keinen Text, den ich singe, ohne dass ich einen Bezug dazu habe. Sehr viele dieser Inhalte entstehen aus Aufzeichnungen, die ich im Lauf der Zeit aufschreibe. Dann setze ich mich mit Textern zusammen und wir reden uns den Mund fusselig. Wenn man eine Melodie schreibt, steckt der Inhalt meistens schon drin.

PZ: Das Schreiben selbst aber vertrauen Sie dann Ihren Textern an...
Maffay: Ja, sie formen dann etwas daraus. Weder habe ich die Begabung noch die Geduld, mich hinzusetzen und so etwas zu verfassen. Außerdem mag ich es ganz gern, wenn Frauen meine Texte schreiben. Ihre Sprache ist anders, sie ist feinfühliger, raffinierter.

PZ: Welche Richtung schlägt das Album denn musikalisch ein?
Maffay: Es wird ein absolutes Rock'n'Roll-Album. Gitarrist Carl Carlton ist wieder mit in der Band. Die Spannbreite der Songs reicht von akustischen Liedern bis hin zu ziemlich harten Stücken. Die nächste Tour dürfte also sehr spannend werden, denn dann präsentieren wir diese Songs auch noch in ungewohnter Umgebung.

PZ: Mit „Laut und Leise“ sind Sie ja sowohl durch Clubs als auch durch die großen Hallen getourt. Wofür entscheiden Sie sich diesmal?
Maffay: Aufgrund der Machart des Albums und weil wir es noch nie so durchgeführt haben, haben wir uns entschlossen, in Philharmonien und ähnlichen Konzerthäusern zu spielen. Diese Venues sind zwar kleiner, aber immerhin spielen wir diesmal in rund 45 Orten. Wir hätten auch wieder in die großen Hallen gehen können. Aber wir gönnen uns und den Fans diesmal diesen Luxus.

PZ: Sie stehen seit 40 Jahren auf der Bühne. Können Sie sich vorstellen, jemals nicht mehr aufzutreten?
Maffay: Doch, wenn ich irgendwann mal nur noch mit Gehhilfen auf die Bühne komme, dann wäre es wohl höchste Zeit! Aber im Moment sehe ich das überhaupt nicht. An Abschied denke ich noch lange nicht! So wie wir spielen, wie es Spaß macht, wie es funktioniert – da stellt man sich diese Frage nicht. Ich sehe nur die ganzen Projekte, die ich noch vorhabe. Ich habe immer häufiger das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft. Vor 20 Jahren habe ich gesagt: Was kratzt mich der nächste Tag?! Inzwischen kratzt er mich immens!