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Der chinesische Regisseur Wang Bing erhält beim internationalen Filmfestival in Locarno den Goldenen Leoparden, der für den besten Film vergeben wird. Foto: Flueele
Der chinesische Regisseur Wang Bing erhält beim internationalen Filmfestival in Locarno den Goldenen Leoparden, der für den besten Film vergeben wird. Foto: Flueele
14.08.2017

Überraschung in Locarno: Goldener Leopard für den chinesischen Filmer Wang Bing und sein Alzheimer-Drama

Locarno. Diskussionen in den Bars und auf den Partys am Lago Maggiore: Die zum Ende des 70. internationalen Filmfestivals Locarno verkündeten Jury-Entscheide haben viel Pro und Contra ausgelöst. Überrascht hat vor allem die Vergabe des Goldenen Leoparden an die Dokumentation „Mrs. Fang“ des chinesischen Regisseurs Wang Bing.

Die Auszeichnung des Films über das Sterben einer an Alzheimer leidenden 68-Jährigen mit dem Hauptpreis wurde lebhaft diskutiert. Manche in Locarno fragten sich, ob dieser Film nicht eine ethische Grenze überschreite. Denn Wang Bing beobachtet das Sterben eines Menschen, der dem aufgrund seiner Krankheit weder zustimmen noch sich dagegen wehren kann. Auch Deutschland hat Anteil an der Auszeichnung, denn neben französischen und chinesischen haben ihn auch deutsche Geldgeber produziert.

Kein Favoritensieg

Manches Erstaunen lösten auch die Ehrungen der besten Schauspieler aus. Die Deutsche Johanna Wokalek in „Freiheit“ und der US-Amerikaner Harry Dean Stanton in „Lucky“ zählten zu den Favoriten. Ausgezeichnet wurden jedoch die Französin Isabelle Huppert in der Rolle einer unsympathischen Lehrerin in „Madame Hyde“ und der Däne Elliott Crosset Hove als ein in Gewalt verstrickter Arbeiter in „Winterbrüder“.

Mit Beifall bedacht wurde die Vergabe des Spezialpreises der Jury an den brasilianisch-französischen Spielfilm „Gute Manieren“. Das Familiendrama erzählt die Geschichte eines Werwolfs. Überraschend weitet sich diese Horror-Story zum scharfen Kommentar auf die Zunahme der Profitgier in der westlichen Welt.

Vom gleichen Format ist der Spielfilm „9 Finger“. Der Franzose F.J. Ossang wurde dafür als bester Regisseur gekürt. Die mit surrealen Bildern fesselnde Gesellschaftsparabel steht mit hoher Qualität beispielhaft für jene Filmkunst, die vom Festival in Locarno seit Jahrzehnten besonders gefördert wird: publikumswirksam, gedankenreich, formal originell.

Die Hoffnungen deutscher Filmschaffender haben sich nicht alle erfüllt, aber doch einige. Für das von Produzenten aus Deutschland, der Dominikanischen Republik und Argentinien finanzierte Drama „Cocote“ von Regisseur Nelson Carlo de Los Santos Arias gab es den Preis für den Besten Film der dem Experimentellen gewidmeten Sektion „Signs of Life“.

Auf der Piazza Grande von Locarno gab es ebenfalls einen Erfolg für das deutsche Kino. Der dort außerhalb des Wettbewerbs im Programm gezeigte Spielfilm „Drei Zinnen“ von Regisseur Jan Zabeil gewann den „Variety Piazza Grande Award“. Der Publikumspreis ging an die US-amerikanische Komödie „The Big Sick“.