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Am Vertikaltuch sorgt Elisabeth Schmidt für Aufsehen in großer Höhe. Foto: Roller
Am Vertikaltuch sorgt Elisabeth Schmidt für Aufsehen in großer Höhe. Foto: Roller
Jean-Baptiste André (hinten) und Robin Leo präsentieren eine humorvolle Choreografie auf dem Cyr Wheel. Foto: Roller
Jean-Baptiste André (hinten) und Robin Leo präsentieren eine humorvolle Choreografie auf dem Cyr Wheel. Foto: Roller
Auf ihren Händen zeigen Camille Tremblay und Louis-Marc Bruneau eine atemberaubende Choreografie. Foto: Roller
Auf ihren Händen zeigen Camille Tremblay und Louis-Marc Bruneau eine atemberaubende Choreografie. Foto: Roller
Ausdrucksstark hält sich Sarah Lindermayer auf dem Stahlseil. Foto: Roller
Ausdrucksstark hält sich Sarah Lindermayer auf dem Stahlseil. Foto: Roller
Conférencier Daniel Reinsberg führt durch den Abend. Foto: Roller
Conférencier Daniel Reinsberg führt durch den Abend. Foto: Roller
19.12.2016

Umjubelte Premiere: Winterträume-Varieté im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Das Atmen fällt einem schon etwas schwer, wenn man die junge Frau knapp zwei Meter unter der Decke des Großen Saals im Kulturhaus Osterfeld hängen sieht – an nichts weiter als einem dünnen, weißen Tuch. Völlig unmöglich wird das Luftholen aber, wenn sie das dünne Tuch plötzlich loslässt und rasend schnell – mit dem Kopf voraus – in Richtung Boden stürzt. Man kann kaum hinsehen. Denn auf dem Boden liegen zwar ein paar dünne Matten, aber ob die einen Aufprall wirklich dämpfen könnten, scheint fraglich.

Im letzten Moment fängt sich die Frau mit ihren Füßen in dem Tuch – und lächelt. Sie heißt Elisabeth Schmidt und macht das offensichtlich nicht zum ersten Mal. So wie übrigens alle Künstler, die dabei sind, beim Winterträume-Varieté im Kulturhaus Osterfeld. Wobei der Name schon etwas irreführend ist. Denn zum Schlafen ist die gut zweistündige Darbietung nun wirklich der falsche Ort. Dafür sind die Nummern einfach viel zu schnell und zu aufregend.

Wenn man Jean-Baptiste André und Robin Leo dabei zuschaut, wie sie sich in einem überdimensionalen Stahlrad – dem Cyr Wheel – eine wilde Verfolgungsjagd liefern. Oder wenn man bei Donial Kalex ins Staunen darüber gerät, wie er ganz lässig kleine, weiße Bälle mit seinen Händen und Füßen durch die Luft schleudert. Und nicht nur das: Später nimmt der junge Mann mit Punk-Frisur und durchlöcherter Hose zwei blinkende Leuchtstäbe in die Hände, schleudert sie an seinem Körper entlang und erzeugt eine surreal anmutende Bilderwelt.

Tanz auf dem Seil

Nicht weniger Anspruchsvolles hat Sarah Lindermayer zu bieten. Ihr reicht es nicht, bloß über ein dünnes Seil zu balancieren. Nein, sie macht es auch zu ihrer Tanzfläche. Was soll man dazu noch sagen? Daniel Reinsberg wüsste es bestimmt. Ihm fällt an diesem Abend zu allem etwas ein. Er ist der Conférencier und als solcher kann er nicht nur eloquent durchs Programm führen, sondern auch Puppen durch Bauchreden zum Leben erwecken – und dem Publikum mit seiner frechen, aber durchaus charmanten Art den letzten Nerv rauben.

Apropos: Das Gedankenlesen ist das Metier von Amila, die im Fall von Zuschauer Stefan nicht nur dessen Idol richtig errät, sondern es auch gleich noch mit goldenem Puder auf eine schwarze Leinwand malt. Schade nur, dass das relativ lange dauert. Da kommt im sonst rasanten Programm kurz Langeweile auf.

Von Langatmigkeit keine Spur hingegen bei Camille Tremblay und Louis-Marc Bruneau, die, auf Händen stehend, ihren Gleichgewichtssinn bei immer neuen Verrenkungen zu Höchstleistungen antreiben. Eine äußerst romantische, elegante Darbietung und ein perfekter Schlusspunkt für einen kurzweiligen Abend. Was könnte es in der Weihnachtszeit Schöneres geben? Das Publikum ist begeistert und spendet nicht nur einmal tosenden Beifall.