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Zwei Körper werden eins: Antonia Modersohn und Sarah Lindermayer. Seibel
Basketball-Jonglage mit rasantem Tempo: Michael Evolution.
Waghalsige Runden am Rhönrad: Olivier Sylvestre.
23.12.2015

Umjubelte Premiere des Varietés im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Der Mann sitzt auf der Bühne und schläft. Und träumt. Von seinem Kampf mit dem roten Sessel, der ihn immer wieder verschlingen will. Doch Andalousi kämpft artistisch gegen die bösen Geister, die ihn hier heimsuchen. Tänzerisch, mit einarmigen, schrägen Handständen: Mit diesen intensiven Bildern eröffnet die Premiere des Varietés „Winterträume“ im Kulturhaus Osterfeld. Und die traumhaften Visionen ziehen sich wie ein roter Faden durchs Programm mit viel Bühnennebel, loungiger Musik und großartigen akrobatischen Leistungen.

Nur dem Spaßmacher fehlt es ein wenig an traumwandlerischer Sicherheit, was die Zündkraft seiner Witze angeht.

Atemberaubende Stürze

Statt Zwerchfellattacke gibt es Atemberaubendes: Antonia Modersohn und Sarah Lindermayer schweben, nur mit Füßen oder Händen an einem Tuch hängend, über der Osterfeld-Bühne, verwickeln sich in immer neue Posen, lassen sich fallen, um traumhaft sicher von der Partnerin aufgefangen zu werden. Ein akrobatisches Spiel der Körper mit durchaus erotischer Komponente. Auch bei ihrem zweiten Auftritt am Chinesischen Mast stockt der Atem: Nur wenige Zentimeter über dem Boden bremsen die beiden – ineinander verschlungen – ihren Fall entlang der Stange.

Durch die Luft geschleudert

Und auch bei Charlotte und Nikolas mit ihrer Hand-auf-Hand-Akrobatik ist der sichere Griff lebensnotwendig. Denn mit ungeheuerem Tempo schleudert der gebürtige Monegasse seine kanadische Partnerin durch die Luft, mit solch unglaublichen Verdrehungen und Dehnungen ihres Körpers beeindruckt die Artistin, dass sich erst ein kollektives Raunen und dann begeisterter Beifall breitmacht.

Beweglichkeit bis in die Fußspitzen ist das Markenzeichen von Hula-Hoop-Künstlerin Sante For-tunato. Und wie die junge Kanadierin mit nur einer winzigen Bewegung ihrer Zehen die glitzernden Reifen zum Rotieren bringt, ist aller Akrobaten-Ehre wert. Ein eher schweres Arbeitsgerät hat sich Olivier Sylvestre ausgesucht: Am Rhön-Rad vollführt er nicht nur schnellste Drehungen, sondern auch waghalsige Sprünge. Geschwindigkeit ist keine Hexerei – zumindest nicht für Ballkünstler Michael Evolution, der bei Schwarzlicht ebenso souverän seine Basketbälle tanzen lässt wie auf den Fingern seiner Mitmenschen.

Und mag es noch so sehr wie Magie aussehen, das was Christian Lindemann zelebriert, sind pure Taschenspieler-Tricks. Doch die beherrscht der „König der Taschendiebe“ souverän. Da zieht er dem vorgewarnten Publikum unmerklich die Zigarillo-Schachtel aus dem Jackett, da landen Brille, Schlüssel, Taschentuch und jede Menge weiterer Utensilien in seinem Besitz. Und da dürfen Christian und Frank als Beinahe-Freiwillige sich coram publico die Krawatte beziehungsweise die Unterhose entwenden lassen.

Geräusch-Imitator

Allerlei seltsame Geräusche hat Komiker Jojo Weiß auf Lager: Ob er Blasinstrumente imitiert oder mit den Handflächen Sinatras „My Way“ spielt – der Entertainer sorgt für die Überleitungen zwischen den Nummern, liest gerne mal Wortspielereien vor und hat manch olle Witzkamelle auf Lager.