nach oben
Abwechslungsreich präsentieren sich Boris Ritter (links) und Roland Härdtner in der Pforzheimer Stadtmission.  molnar
Abwechslungsreich präsentieren sich Boris Ritter (links) und Roland Härdtner in der Pforzheimer Stadtmission. molnar
09.03.2018

Unbeschwert, frei und flink - Künstler begeistern mit Auszügen aus ihrem Bach-Programm

Was ist Freiheit? Etwa das, was Marius Müller-Westernhagen in seinem Lied besingt und zu Beginn des Themenabends „Freiheit! – Die nehm ich mir?“ in der Stadtmission erklingt? Oder bedeutet der Begriff, frei von inneren Zwängen und Erwartungen zu sein, so wie es der Schorndorfer Referent Joachim Böker in seiner flammenden Predigt vor mehr als 300 Besuchern beschreibt? „Da wo bedingungslose Liebe herrscht, ist Freiheit“, sagt er und meint die Bindung an Gott.

Zwei, die sich die Freiheit nehmen, die altmeisterlichen, aber damals bereits vorausschauenden Werke von Johann Sebastian Bach weiterzuentwickeln, sind der Pforzheimer Mallets-Spezialist und Solopauker der Badischen Philharmonie am Stadttheater, Roland Härdtner, und der gebürtige Maulbronner Pianist, Komponist und Arran-geur Boris Ritter, der an den Mu-sical-Bühnen des Stuttgarter SI-Zentrums tätig ist.

Mit fünf Titeln aus ihrem Bachprogramm „AIRevolution“ und dem südamerikanischen, rhythmisch reizvollen Stück „Suntan“ von Michel Camilo zieht das Duo das Publikum in seinen Bann, wechselt zwischen dynamisch-packenden Klassikern wie dem Präludium C-Dur und melodisch-sanften wie dem Choral „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate BWV 147. Bisher haben die zwei langjährigen Musikpartner – vierzehn CDs haben sie schon produziert – die Stücke im Quartett gespielt. Bei der Themenreihe „Unglaublich?!“ in der Stadtmission übernimmt Ritter die Parts an Bass und Schlagzeug gleich mit, schüttelt locker-lässig seine jazzigen, stets neu improvisierten Arrangements aus dem Handgelenk. „Er ist meine Lebensversicherung“, sagt Härdtner, der selbst verschiedene Schlegel einsetzt und munter zwischen Vibrafon und Marimba hin und her springt.

Zum Beispiel bei der Badinerie aus der Orchestersuite Nr. 2, BWV 1067: atemberaubend, wie der Stabspieler hier die metallisch-hellen Tonblättchen des Vibrafons anschlägt und sich vor allem auf der hölzern-warmen Marimba austobt. Der Blick zum Begleiter ist eher Unterhaltung, denn die beiden verstehen sich blind. Und bleiben dem Komponisten trotz moderner Stilelemente treu. So bewegen sich die Musiker auch bei den Inventionen Nr. 1 und 13 in Bachs harmonischem Gerüst, entfernen sich nicht völlig frei vom Thema. Und doch klingt das swingende Stück unbeschwert frei – und flink, sehr flink.

Mittendrin geht plötzlich die Post ab, bekommt der Barocktitel Drive und Zug. Nicht fehlen darf auch das populäre „Air“ aus der Ouvertüre Nr. 3, BWV 1068, das träumerisch, mit dezenten Verzierungen am Vibrafon erklingt und im Mittelteil mehr Nachdruck erhält. Der von Uli Limpf moderierte Abend klingt mit dem Lied „Amazing Grace“ zur Melodie von Hillsong aus, präsentiert vom Musik-Team der Stadtmission mit Jan Wörner (Klavier), Silvia Tarara, Lars Jahn (Gesang), David Caroppo (Gitarre), Cornelius Bott (Bass) und Jonas Limpf (Schlagzeug).