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Schloss Bauschlott bildet wieder die Kulisse für die Konzerte des Süwdwestdeutschen Kammerorchesters.  Foto: Archivbild Meyer 

Unbeschwerte sommerliche Klassik: SWDKO feiert Open Air-Premiere im Bauschlotter Schlosshof

Neulingen. Der schöne Schlosshof in Bauschlott als reizvoller Rahmen: Erstmals trat das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim (SWDKO) mit zwei Open-Air-Konzerten nach der Corona-Pause wieder vor Publikum auf. Ein sommerlich-heiteres Programm mit Werken der Wiener Klassik sorgte für einen Ansturm auf die jeweils 240 Karten, die nach sechs Tagen komplett vergeben waren.

Und das Publikum zeigte sich erlebnishungrig, auf das schöne Ambiente ebenso wie auf den lang entbehrten Genuss, einem Orchester live zuhören zu können. Lange vor Konzertbeginn fanden sich die Besucher ein, begrüßten sich mit Maske und Sicherheitsabstand und lauschten den Alphornfreunden Bauschlott, die mit ihren urigen Instrumenten die Wartezeit verkürzten.

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SWDKO feiert Open Air-Premiere im Bauschlotter Schlosshof

Das durch Holz- und Blechbläser erweiterte SWDKO mit seinem neuen Dirigenten Douglas Bostock spielte auf der stimmungsvoll vor der Schlossfassade errichteten Bühne. Zum Auftakt erklang eine Rarität, die Vier Contretänze KV 267 von W. A. Mozart, 1777 geschrieben. Der Kontertanz war eine vor allem im 17. und 18. Jahrhundert beliebte Gesellschaftstanzform. Die achttaktigen Tänze sind bei Mozart sehr unterschiedlich in Tempi und Dynamik, bestechen mit filigranem Violinenspiel und hellen Flöten. Ein unbeschwerter, fröhlicher Auftakt in dem akustisch exzellenten Schlosshof.

Douglas Bostock drückte in seiner Begrüßung die – deutlich spürbare – Freude des ganzen Orchesters aus, endlich wieder vor Publikum spielen zu können. Er dankte Verleger und Kulturmacher Jeff Klotz für Durchführung und Organisation der Konzerte.

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Sonne pur: Das Publikum genießt das Klassikkonzert. Foto: Meyer

Klotz hatte, wie er im Gespräch mit der PZ sagte, die Idee, den Schlosshof besser zu nutzen, und fand in Douglas Bostock und Geschäftsführer Andreas Herrmann aufgeschlossene Partner. Gefördert wurden die Konzerte vom Land Baden-Württemberg, der Pforzheimer Zeitung und dem Förderverein des SWDKO. Da das Schloss Bauschlott Anfang des 19. Jahrhunderts auch als Jagdschloss genutzt worden war, hatte man Joseph Haydns Sinfonie Nr. 73 „La Chasse“ (Die Jagd) ausgewählt. Seinen Beinamen verdankt das 1781 geschriebene Werk dem Finale, das Haydn der Ouvertüre seiner Oper „La fedeltà premiata“ entnommen hat. Darin enthalten ist ein prägnantes und damals sehr bekanntes Jagdsignal, das vom Waldhorn gespielt wird.

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Unbeschwerter Auftakt: Das SWDKO spielte Werke der Wiener Klassik. Foto: Meyer

Der erste Satz der in der Sonatenform geschriebenen Sinfonie beschäftigt sich mit einem Hauptthema, welches Haydn in einer Vielzahl von Variationen bearbeitet. Der zweite Satz basiert auf dem von Haydn komponierten, innigen Lied „Gegenliebe“.

Nach dem tänzerisch schwingenden dritten Satz mit einem wunderschönen Oboenpart folgte das temperamentvolle Presto-Finale mit seinem einprägsamen Hornthema, das sich überraschenderweise ganz leise verabschiedet.

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Langer Applaus für das überzeugende Dirigat. Foto: Meyer

Mit gerade 19 Jahren komponierte Franz Schubert 1816 seine Sonfonie Nr. 5 B-Dur, die heute zu seinen beliebtesten Orchesterwerken gehört. Bei der Uraufführung mit einem Laienorchester spielte er selbst die Bratsche. Schubert verehrte Mozart, und das ist in der Sinfonie zu hören, die von einer für ihn ungewohnten Leichtigkeit und Helle ist. Schubert erweitert die strenge Satzstruktur der Wiener Klassik und sucht und findet in dieser Sinfonie zu seiner eigenen musikalischen Sprache. Reizvoll die Dur-Moll-Modulationen, die romantischen, volksliedhaften, lyrischen, aber durchaus auch dramatischen Elemente.

Unter Bostocks exaktem und zupackendem Dirigat überzeugte das SWDKO mit elegantem und inspiriertem Spiel, transparenter Melodieführung, sensibler Dynamik und fein abgestimmten Tempi. Das honorierte das Publikum mit einem lange anhaltendem Beifall und Freude über ein unbeschwertes Konzertevent.