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Ergänzen sich großartig beim Duo-Abend der Maulbronner Klosterkonzerte: Cellist Julius Berger (links) und Pianist Bernd Glemser.  henkel
Ergänzen sich großartig beim Duo-Abend der Maulbronner Klosterkonzerte: Cellist Julius Berger (links) und Pianist Bernd Glemser. henkel
05.09.2016

Unerhörte Klang-Intensität bei den Maulbronner Klosterabenden

Julius Berger ist in der Region kein Unbekannter. Als Vladislav Czarnecki, der unter den begeisterten Konzertbesuchern am Freitag weilte, noch Chef des Südwestdeutschen Kammerorchesters war, gastierte der Meistercellist regelmäßig mit dem Streicher-Ensemble in Pforzheim. Nun musizierte Berger, im Duo mit dem Maulbronner Residenz-Pianisten Bernd Glemser, erstmals bei den Klosterkonzerten.

Er ist gewiss älter geworden, vielleicht auch gelassener und ruhiger und agiert nicht mehr so gestenreich wie seinerzeit. Doch der geschmeidig-samtene Klang seines wunderbaren Instruments, einem Meisterstück des italienischen Geigenbauers Giovanni Battista Rogeri aus dem Jahr 1723, ist unerhört klangintensiv geworden. Es scheint, als spielte Berger mit noch mehr Gefühl und Fülle. Das zeigte sich insbesondere bei der Wiedergabe von Frédéric Chopins Sonate für Klavier und Violoncello in g-Moll (op. 65), die – dunkel im Ton und lyrisch im Stil – mit ausdrucksstarken Cello-Kantilenen geboten wurde. Mit Gespür für den Kontext verteilten die Interpreten im ersten Satz „Allegro moderato“ das musikalische Material. Da gab es gehämmerte Klaviersoli, dezent begleitet vom Cello. Oder Cello-Passagen mit Kontrapunkt des Klaviers sowie Gesangsperioden. Das temperamentvolle „Scherzo“ schien folkloristisch verwandelt. Hauchzart singend erfreute das Cello die konzentriert lauschenden Zuhörer im „Largo“. Ein tänzerisches Tarantella-Finale rundete die mitreißenden Interpretation ab.

Mit Herzblut bei der Sache

In den vor der Konzertpause präsentierten Kompositionen bevorzugte Glemser eine eher akademische Herangehensweise, Berger war mit Herzblut bei der Sache. Die von Zoltán Kodály für die Duo-Formation transkribierten Choralvorspiele Johann Sebastian Bachs zeichneten sich durch kraftvoll zupackende Klavierpassagen aus, die mit dem melodienselig leisen Streichinstrument kontrastierten („Ach, was ist doch unser Leben“, BWV 743) oder sie mischten stimmungsvolle Klavier-Poesie mit ariosem Cello-Gesang („Vater unser im Himmelreich“, BWV 762). Ein arbeitsintensives Pensum absolvierte das Duo mit der Wiedergabe von Max Regers Sonate für Violoncello und Klavier in a-Moll (op. 116), wobei höchste technische Anforderungen glanzvoll gemeistert wurden. Das spätromantisch-fantastische Schweifen der musikalischen Gedanken wurde von Glemser und Berger bravourös in Form gebracht.