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Lautenspieler Jurgen De Bruyn bei der Führung durch die Stuttgarter Staatsgalerie vor Hendrick ter Brugghens „Singendem Lautenspieler“ (1626 . Rechts ein Flügel des Genter Altars „Lamm Gottes“ (um 1432) von Jan van Eyck.  Foto: Frommer/MSK Gent 
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Unerreichte flämische Meister

Stuttgart. Großer Bahnhof für die flämische Malerei in der Staatsgalerie: Astrid Van Ingelgom, die Projektleiterin des kommenden Van-Eyck-Jahres, eröffnete ihre Präsentation mit der getroffenen Ortswahl: „Belgien ist kleiner als Baden-Württemberg – und Stuttgart hat dreimal mehr Einwohner als Gent. Doch auch kleine Städte können große Künstler hervorbringen. Jan van Eyck ist einer dieser großen Künstler“. Er sei „so wichtig, dass wir ihn 2020 ein ganzes Jahr lang feiern möchten“.

Zehn Werke in Gent zu sehen

Van Eyck (1390–1441) wirkte auch in Brügge, doch sein größtes Meisterwerk ist das Altarbild „Die Verehrung des Lamm Gottes“, das er 1432 im Auftrag eines wohlhabenden Kaufmanns für die Sint Bavo-Kathedrale in Gent schuf. 2020 kehrt das acht Jahre lang restauriert Gemälde wieder an seinen angestammten Platz zurück. Mehr noch: Gents Museum der Schönen Künste (MSK) widmet dem flämischen Meister eine Ausstellung, die es so noch nie gegeben hat: Bart Ooghe, PR-Chef des MSK, betonte: „Zehn Werke Jan van Eycks werden in Gent zu sehen sein – die Altarbilder jedoch definitiv das letzte Mal“. Eigens für die bevorstehende Ausstellung „Van Eyck – Eine optische Revolution“ (1. Februar bis 30. April 2020) werde, so Ooghe, gegenwärtig auch das Porträt „Baudouin de Lannoye“ in der Berliner Gemäldegalerie restauriert. Zur Einmaligkeit der Ausstellung sagte er: „Weltweit sind nur noch ungefähr 20 Werke Jan van Eycks erhalten. Die andere Hälfte ist zu zerbrechlich, um noch auf eine Ausstellungsreise gesandt zu werden“.

Sandra-Kristin Diefenthaler, Kuratorin für altdeutsche und niederländische Malerei an der Stuttgarter Staatsgalerie, widmete ihren Vortrag vor allem der eigenen Sammlung, die über 312 Gemälde verfüge, „von denen 80 ständig zu sehen sind“. Vieles stamme, wie das bekannteste, um 1485 entstandene Gemälde – „Bathseba im Bade“ von Hans Memling – aus dem Besitz der Herzöge von Württemberg. Sie ergänzte, die erst später zugekaufte obere Ecke mit König David, der die Badende beobachtet, sei wohl im 18 Jahrhundert herausgesägt worden und scherzte: „Vielleicht wollten die hiesigen Herrscher den Anblick der ersten Nackten nördlich der Alpen nicht mit einem anderen König teilen.“

Andreas Pinczewski, freier Mitarbeiter der Staatsgalerie, beantwortete die Frage: Was unterscheidet die niederländischen Meister von den Italienern? „Die schauten ganz genau hin.“ Hierzu machte er die Teilnehmer seiner Führung auf die Wassertropfen auf dem Schenkel Bathsebas aufmerksam und auf die sich fein unter ihrer Haut abzeichnenden Adern.