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Ballettchef Guido Markowitz (links), Pfarrerin Heike Reisner-Baral und Ausstatter Dirk Steffen Göpfert bei einer Ballettprobe in der Schlosskirche.
Ballettchef Guido Markowitz (links), Pfarrerin Heike Reisner-Baral und Ausstatter Dirk Steffen Göpfert bei einer Ballettprobe in der Schlosskirche.
01.11.2015

Ungewöhnlicher Ballettabend in der Schlosskirche Pforzheim

Pforzheim. Der Weg ist ungewöhnlich: Der neue Ballettdirektor des Theaters Pforzheim und die neue Compagnie stellen sich mit der Uraufführung von „Heimatwelten“ zum ersten Mal vor – in der Schlosskirche. Nicht am angestammten Ort am Waisenhausplatz, sondern direkt in der Stadt.

„Wir wollen uns nach außen öffnen“, sagt Guido Markowitz, „und welcher Ort wäre geeigneter, wenn es um das Thema Heimat, um Flucht und Vertreibung geht.“ Schlosskirchen-Pfarrerin Heike Reisner-Baral kann dem nur zustimmen: „Das ist unser ureigenstes Thema – seit der Vertreibung aus dem Paradies, seit Abraham, Moses und dem Flüchtlingskind Jesus.“

Wichtiges Thema der Kirche

„Heimatwelten“, das ist auch ein Thema für die elf Tänzer der Compagnie, von denen nur einer aus Deutschland stammt. „Alle Tänzer wissen, wie es ist, die Heimat zu verlassen, die Familie, die Liebe, das gewohnte Leben“, schildert der gebürtige Kärtner. Und so haben sie selbst Texte zu dieser ungewöhnlichen Produktion geschrieben, geben etwas von ihrem Innersten preis.

„Die Choreografie soll Emotionen, Bilder auslösen“, schildert Markowitz. Und so beginnt die Aufführung bereits vor der Kirche. Auf das Baugerüst werden Bilder projiziert – von Häusern, Wohnungen, einem Iglu – zwischen denen die Tänzer sich bewegen. In der Kirche wird das Thema Flucht weitergesponnen: Mit den Tänzern bewegen sich die Besucher durch die Räume – vom Hauptgang über die Seitenkapellen und den Lettner bis zum Stiftschor. Und Markowitz, der seinen Choreografie-Stil als zeitgenössisch und neoklassisch beschreibt, hofft, dass jeder Besucher, sich in einem der getanzten Bilder wiederfinden wird.

Bilder, in denen Tische ein zentrales Element bilden: „Da ist der schmale Tisch, auf dem ein Tänzer am Abgrund wandelt, da ist ein Tisch, an dem eine Liebesbeziehung in die Brüche geht“, schildert der Ballettchef. Getanzt wird zur Musik eines amerikanischen Komponisten, der seine elektronischen Klänge mit Auszügen aus Nachrichtensendungen oder Politikerreden unterlegt. „Doch wir wollen kein politisches Theater bieten, sondern emotionales“, sagt Markowitz. Stimmungsvoll wird die Atmosphäre in dem Gotteshaus auf jeden Fall: „Jeder Tänzer hat eine eigene Lichtquelle, die er mit sich trägt“, erzählt Ausstatter Dirk Steffen Göpfert. Und der Stiftschor wird von vielen Kerzen erhellt. Sandra Pfäfflin