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Zu Gast beim Folkclub Prisma im Gasometer: Roger Sutcliffe. Molnar
Zu Gast beim Folkclub Prisma im Gasometer: Roger Sutcliffe. Molnar
20.10.2016

Unverfälscht und gut gelaunt: Bluesveteran Roger Sutcliffe

Außer seinen Gitarren und Plektren braucht er nichts. Roger Sutcliffe hat alles im Kopf – und auch alles im Griff. Doch manchen ist das beim Konzert im Gasometer zu leise, deshalb bekommt der Gitarrist im zweiten Teil ein Mikrofon vor die Nase gesetzt. Was der 70-Jährige mit den Worten schmunzelnd kommentiert: „Can you hear me in Stuttgart?“ (Können Sie mich in Stuttgart hören?).

Der nordenglische Bluesveteran, der schon Anfang der 70er-Jahre im Jazzkeller auftrat und seitdem regelmäßig nach Pforzheim kommt, ist kein Mann der lauten Worte – obgleich er als Musiker gerne auch seine kraftvolle Seite zeigt.

Schon zum Einstieg zupft er Johnny Cashs Country-Song „Hey, Porter“ mit einer Handvoll Fingerplektren, während seine Greifhand mit einem Bottleneck über die Saiten einer Dobro-Gitarre gleitet. Lässig und gut gelaunt wirkt Sutcliffe dabei, lässt schon jetzt keinen Zweifel an seiner raffinierten Spieltechnik. Einen ungeheuer vollen Klang erzeugt er auch mit einer Zwölf-Stahlsaiten-Gitarre bei dem mitreißenden Worksong „Go Down Old Hannah“, bei dem die Zuschauer mitsingen und mitwippen. Hinter ihm stehen weitere Instrumente, insgesamt vier Gitarren, eine Mandoline und eine Ukulele. „Ein Museum“, sagt der Musiker verschmitzt dazu. Er interpretiert akustische und elektrische Blues-, Jazz- und Folksongs auf unverfälschte Weise. Doch auch mit kleinen Anekdoten, mit seinem Akzent und typisch britischem Humor unterhält er die Zuhörer.

Ein Lied aus seiner Heimat Yorkshire, „Dalesman’s Litany“, hat er mitgebracht: Es erzählt von einem Mann, der auf dem Land wohnt, zum Arbeiten aber in die Stadt muss und am Ende zurückkehrt. Von solchen wunderschönen Folksongs hätten ruhig ein paar mehr auf dem Programm stehen können. Rhythmisch leicht ins Ohr geht der eigene Song für die erste Ehefrau, „I Hear You Knocking“, oder Robert Johnsons treibender „Walking Blues“ mit E-Gitarre.